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Durchgedreht alle, äh: einige. Heute kann man den größten Blödsinn von sich geben und es werden sich Menschen finden, die diejenigen, die den Blödsinn benennen als „politisch korrekt“ abtun und den Blödsinnautoren in Schutz nehmen mit dem Hinweis: „Man wird das ja wohl noch mal sagen dürfen.“ Wer das kritisiert hat dann eiligst den Stempel aufgedrückt, er zensiere Meinungen. Gerne verbunden mit dem Hinweis, wenn den Blödsinn mehrere Personen bemerken, jetzt hetze denjenigen eine Meute.

Nein, man darf also nicht mehr Kritik am Blödsinn üben. Man hat den hinzunehmen, denn „politisch korrekt“ ist Zensur. Kein Kritiker nimmt für sich das Attribut des „politisch korrekten“ in Anspruch. Sondern es wird ihm zugeschrieben wie jenes des „Gutmenschen“. Man begegnet der Kritik in der Sache nicht mehr mit Argumenten in der Sache, sondern mit einem aufgeblähten Gefühlsausbruch.

Dabei hat die Angelegenheit noch mindestens einen zweiten Haken. Tauschen wir den Begriff des Politischen gegen den des Mathematischen aus. „2 plus 5 ist gleich 23“, sagt der eine, der andere sagt: „Nein, ist eher 7“ – jedenfalls nach Adam Riese. Und prompt wird er bezichtigt, er sei halt „mathematisch korrekt“, oder so. Und das geht nicht. Wenn jemand sagt „2 plus 5 ist gleich 23“ ist das seine Meinung, die mag mathematisch inkorrekt sein, aber das wird man ja wohl noch einmal sagen dürfen, oder? Oder leben wir schon wieder in einer Meinungsdiktatur? Am besten noch verbunden mit dem Vorwurf der Verwendung von Nazi-, DDR- und Stasi-Methoden. Mathe-Scharia, oder so etwas. Viel hilft viel. Oder so.

Das Ganze funktioniert nach dem Muster der Täter-Opfer-Vertauschung. Wer den Blödsinn benennt, wird zum Geistestäter, zum Denunziant gar befördert. Blödsinn zu benennen, Irrsinn zuzuordnen, das ist Denunziantentum. Das funktioniert in vielen Diskussions- und Streitrunden mittlerweile ganz gut.

Eigentlich gar nicht so anders als beim „Schreiben wie man hört“ – wo am Ende auch alles immer richtig ist. So wird heute auch gedacht. Gedacht, wie vorgekaut. Nur, es wird ja auch schon gar nicht mehr richtig zugehört oder auf der anderen Seite nachgedacht. Eine Meinung ist schneller gefasst und hat man sich schneller angeeignet, als man denkt – und genau das bezeichnet das Problem gewiss flott.

Im Übrigen ist das Denken tatsächlich nicht maßstäblich. Sondern das Verhalten dazu. Aber das ist ein anderes Thema.

Kommunikativer Kapitalismus ist dafür nicht die richtige Bezeichnung. Nach wie vor hat es mehr mit einem speziellen autoritären Charakter zu tun.

Der Beitrag Kommunikativer Kapitalismus erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

Heute im Maileingang, die Anfrage, ich möchte doch takt1 – ein Portal zur Verbreitung von E-Musik (Oper & Konzert mit etwas, manchmal krudem Kommentar drumherum – Gutmenschentremolo) bewerten, nämlich, ob ich takt1 weiterempfehlen würde. Die Mail kommt von Niklas.

Es wird mir eine Skala von 1 bis 10 angeboten. Was aber 1 ist und was 10, ist mir nicht klar. Ich orientiere mich an der Farbe und gebe 9, dabei denkend, dass wie in der Schule eine 1 eine besonders gute Note ist und daher denke, das sei eine Bewertung, mit der ich zum Ausdruck bringe, dass ich takt1 nicht empfehlen würde. Jetzt habe ich die Mail per Screenshot vom Handy an einen Arbeitsplatz geschickt, wo ich die Sache hier hochladen kann. Und tatsächlich: Unter der Skala kann man jetzt Schwarz auf Schwarzgrau erkennen, wofür die Ränder der Skale stehen. Sagen wir es mal so, besonders gut lesbar ist das eher nicht.

Screenshot_20171125-103516

Im Nachgang darf ich weitere Fragen auf der Website beantworten. Man ist nett, auch wenn ich wohl zuerst davon ausgehen wollte, dass die Umfrage anonym ausgewertet werden würde. Die Mail von Niklas sagt dazu nichts. Da war ich wohl zu vertrauenselig.

Denn prompt ist die nächste Mail im Posteingang, dieses Mal von Anselm B. mit folgendem Wortlaut:

„hier ist Anselm von takt1. Ich habe gestern mit Niklas gesprochen und er hat mir erzählt, dass Du uns mit 9 von 10 Punkten bewertet hast.
Danke für Deine Unterstützung! Mit Deinem Feedback machst Du takt1 noch besser.“

Was? Anselm hat gestern mit Niklas gesprochen. Also schon ein Tag, bevor ich die Bewertung vorgenommen hatte. Das nennt man vorausdenkend Gespräche führen. Es kann nur heißen, die wussten zuvor schon, was ich entscheiden werde. Aber wenn sie das sowieso wussten, warum fragen die dann überhaupt. Interessant ist auch dabei, dass sie gesprochen haben wollen. Ich bin mir sicher, Niklas ist ein Bot, Anselm wahrscheinlich aber auch, denn wenn er mit Niklas schon gestern gesprochen haben will, kann er ja nicht aktuell auf meine Daten eingegangen sein. Die persönliche Ansprache aber geht weiter:

„Niklas meinte, dass Du auf takt1 nicht genug Auswahl hättest. Wusstest Du schon, dass … .“

Niklas also meinte etwas. Das hat er aus den anderen Fragen ermittelt. Der Eindruck aber wird erweckt, als ob Niklas und Anselm sich in einem Gespräch miteinander ausgetauscht hätten. Etc. pp.

Mir missfällt es, dass hier der Eindruck erweckt wird, man habe es tatsächlich mit Personen zu tun, die etwas miteinander besprechen und mit mir kommunizieren. Das muss eine naive Vorstellung meinerseits sein. Geschuldet der Tatsache, dass ich takt1 für seriös erachtet hatte. Hinter takt1 stehen übrigens unter anderem Holger Noltze und Benedikt Stampa.

Unterzeichnet ist die Mail mit Anselm B. (Kundenbetreuung). Also doch eine Person? (Nachnamen habe ich deshalb gekürzt.) Oder eine Mischung aus beidem. Ein Bot, der im Namen der Kundenbetreuung aktiv wird.

Gibt es ein Briefgeheimnis auch für Bots?

Daran schließt sich eine rechtliche Frage an. Es gibt ja das Briefgeheimnis. Das gilt auch für Mails. Gilt das eigentlich auch für automatisch erzeugte Mails und/oder Briefe? Kann ein Bot eigentlich in seinen Persönlichkeitsrechten beschnitten werden.

Und ein letztes. Anselm meinte in seiner Mail:

„Da Du takt1 nicht regelmäßig benutzt, brauchst Du kein Abo abschließen. Alle Konzerte und Opern aus dem takt1 Premium-Abo kannst Du für nur 5 Euro kaufen – günstiger als jeder Konzertabend!“

Günstiger als jeder Konzertabend. Da dürfte nicht stimmen. Es gibt Konzertabende, die durchaus günstiger sind als fünf Euro. Ein Hauch von unlauterer Werbung ist das dann schon, oder?

 

Der Beitrag Ohne takt1 – Wie persönlich dürfen unpersönliche Mails sein erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

Der Tagesspiegel berichtet von einer Veranstaltung, die er mitorganisiert und schreibt über einen Vortrag von H.C. Brinker, bzw. zitiert ihn sinngemäß:

„Der Gast, erklärt Henry C. Brinker, werde in der Met nicht als nötiges Übel angesehen, sondern als Kunde.“ [Quelle: Tagesspiegel Online, Kongress Kulturinvest – Am digitalen Lagerfeuer]

Mit Met ist die Metropolitan Opera gemeint. Als Nagtivbeispiel erwähnt er die Pariser Philharmonie.

Was daran so erstaunlich ist? Die Sprache der Kulturverwaltung, die offenbar den Gast eben als Übel oder als Kunden sieht. Aber offenbar in jedem Fall nicht als Gast! Beziehungsweise ist eine Transformation zu leisten, die aus einem Gast den Kunden macht.

Natürlich hat Adorno diesen „Prozess“ schon vor einiger Zeit kritisiert: „Der Kunde ist nicht, wie die Kulturindustrie glauben machen möchte, König, nicht ihr Subjekt, sondern ihr Objekt.“ 01)Band 10: Kulturkritik und Gesellschaft I/II: Résumé über Kulturindustrie. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 7949 (vgl. GS 10.1, S. 337) jQuery("#footnote_plugin_tooltip_8051_01").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_8051_01", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });  Und natürlich ist vorstellbar, dass Brinker dies nicht einmal in Abrede stellen würde. Sondern das als de-facto-Situation annehmen würde. Ein Zweifel an der Notwendigkeit, dies unter den aktuellen Bedingungen nicht so zu sehen, dürfte man sich wohl als Weltblindheit vorhalten lassen.

Aber will man dies im Kultursektor wirklich machen? Alle zu Kunden, zu Genuss- und Hörkunden? Empfindungskunden, denen man das Übel erspart. Well- und Happyness, reines Bedienen von Bedürfnissen nach Wasser, akustischen Reizen und Gelehrtheit? Etc.

Den Gast nur als Konglomerat von Funktionen zu sehen, nicht aber als Gast, den man einlädt, dem man seine Ehre und Freundschaft erweist, scheint mir nicht ein Weg in die Zukunft der Kultur sondern in ihre Abschaffung in ein Gut der Wirtschaft. Umgekehrt wäre Brinkers Satz jedenfalls freundlicher: „Der Kunde wird nicht als notwendiges Übel, sondern als Gast gesehen.“ Das freilich hätte dann weniger mit BWL sondern mit menschlichen Reflexen und Reflexionen zu tun. Und eben mit einem Verständnis von Kultur, das sich nicht primär und auch nicht sekundär am Marktgeschehen ausrichtet.

Begriffe nach Wikipedia:

Ein Kunde (englisch customer, client) ist allgemein in der Wirtschaft und speziell im Marketing eine Person, ein Unternehmen oder eine Organisation (Wirtschaftssubjekt), das als Nachfrager ein Geschäft mit einer Gegenpartei abschließt. Ein solches Geschäft ist beispielsweise ein Kauf, eine Miete oder ein Leasing, eine Dienstleistung oder ein Werk. Meist zahlt der Kunde dafür Geld. Die Leistung kann aber auch unentgeltlich oder in Form eines gegenseitigen Tauschgeschäftes erfolgen. [Quelle: Stichwort Kunde]

Das Wort Gast bezeichnet heute einen zum Bleiben eingeladenen Besucher. Ebenso wie die mit ihm etymologisch verwandten Begriffe in anderen germanischen (althochdeutsch/mittelhochdeutsch/altsächsisch gast, gotisch gasts, altnordisch gestr, altenglisch giest und altfriesisch jest), slawischen (kirchenslawisch gostĭ) und romanischen Sprachen (lateinisch hostis, hospes) bedeutete es ursprünglich ‚Fremdling‘. Einerseits hatte man dem Fremden Gastrecht zu gewähren, andererseits konnte er in feindlicher Absicht nahen. [Quelle: Stichwort Gast]

Das Übel (ahd.: abel, ibel, ubil) ist in der Philosophie ein Begriff, der alles bezeichnet, was dem Guten entgegengesetzt ist. Es ist vom Bösen zu unterscheiden, mit dem es häufig verwechselt wird. Übel ist der allgemeinere Begriff, der das Böse umfasst. Alles Böse gehört zum Übel, aber nicht jedes Übel gehört zum Bösen. [Quelle: Stichwort Das Übel]

Fussnote(n)   [ + ]

01. ↑ Band 10: Kulturkritik und Gesellschaft I/II: Résumé über Kulturindustrie. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 7949 (vgl. GS 10.1, S. 337) function footnote_expand_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").show(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("-"); } function footnote_collapse_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").hide(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("+"); } function footnote_expand_collapse_reference_container() { if (jQuery("#footnote_references_container").is(":hidden")) { footnote_expand_reference_container(); } else { footnote_collapse_reference_container(); } } function footnote_moveToAnchor(p_str_TargetID) { footnote_expand_reference_container(); var l_obj_Target = jQuery("#" + p_str_TargetID); if(l_obj_Target.length) { jQuery('html, body').animate({ scrollTop: l_obj_Target.offset().top - window.innerHeight/2 }, 1000); } }

Der Beitrag Gast, Kunde, Übel [Kulturinvest 2017] erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

Alfred Sohn-Rethel in einem Brief an Theodor W. Adorno vom 29. Januar 1938:

„… die faschistische Konjunktur funktioniert nur, weil und solange sie Produkte vervorbringt, die nicht auf den Markt kommen (vom Staat gekauftes und aufgestapeltes Rüstungsmaterial oder synthetischen Ersatz für ausfallende (!) echte Konsumartikel). Der Faschismus bringt damit aber nur eine Tendenz zur Vollendung, die schon die ganzen vorfaschistischen Konjunkturen beherrscht: der Produktionsapparat, an dessen Aufbau, Rationalisierung, Erneuerung und Ausweitung die Konjunktur ihre Nahrung findet, produziert, wenn er fertig ist und an die rationalisierte und erweiterte Bedienung des konsumptiven Endbedarfs gehen sollte, die Krise, Absatzstockung, Unabsetzbarkeit seiner Produkte. Der Kapitalismus kann mit der Konsumtion nichts mehr anfangen, und weil sie ihm tödlich ist, muß er die Konsumenten töten, um noch produzieren zu können.“ 01)Theodor W. Adorno und Alfred Sohn-Rethel: Briefwechsel 1936-1969, hg. von Christoph Gödde, München 1991, S. 75. Hervorhebung: MH jQuery("#footnote_plugin_tooltip_8348_01").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_8348_01", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });

 

Fussnote(n)   [ + ]

01. ↑ Theodor W. Adorno und Alfred Sohn-Rethel: Briefwechsel 1936-1969, hg. von Christoph Gödde, München 1991, S. 75. Hervorhebung: MH function footnote_expand_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").show(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("-"); } function footnote_collapse_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").hide(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("+"); } function footnote_expand_collapse_reference_container() { if (jQuery("#footnote_references_container").is(":hidden")) { footnote_expand_reference_container(); } else { footnote_collapse_reference_container(); } } function footnote_moveToAnchor(p_str_TargetID) { footnote_expand_reference_container(); var l_obj_Target = jQuery("#" + p_str_TargetID); if(l_obj_Target.length) { jQuery('html, body').animate({ scrollTop: l_obj_Target.offset().top - window.innerHeight/2 }, 1000); } }

Der Beitrag Kapitalismus, Konsumtion, Krieg [1938] – Alfred Sohn-Rethel erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

Es sei „einwandfrei politisch korrektes Gutmenschentremolo,“ schreibt Eleonore Büning über die Transit-Performance des Ensemble Kaleidoskop bei den Donaueschinger Musiktagen in ihrer Kolumne des Netzmagazins takt1.de in der „society of music“. Das wundert, denn eigentlich empfand sie die Aufführung ziemlich daneben. Zur Sache sagt sie: „Danach steigt das Ensemble Kaleidoskop aus, flüchtlingsmäßig verkleidet. Baut sich auf in einer Reihe, guckt uns betroffen an, ob wir mit eingeschlafenen Füßen wohl auch inzwischen ein bisschen flüchtlingsmäßige Betroffenheit entwickelt haben und spielt Memory Spaces von Slavnics. Kollektive Erkundung eines Tones und seiner Obertöne. Reine Stimmung, reinen Herzens.“ Um dann den Schluss zu ziehen: „Einwandfrei politisch korrektes Gutmenschentremolo.“

Gutmenschentremolo, das: Wortschöpfung von Eleonore Büning in der „society of music“. Erste außermusikalische Verwendung in der WELTWOCHE durch Wolfram Knorr im Jahr 2014.

Die Wortwahl dieser Kritik Bünings wirkt einigermaßen erstaunlich. Denn die Phrase vom „politisch-korrekten Gutmenschen“ ist längst zur geflügelten und diskreditierenden Phrase abgedroschen. Das hat einmal vor geraumer Zeit Mario Sixtus schön aufgelistet und ausgehebelt. Die Liste der Texte, die Mario Sixtus aufzählt, ist lang und am dürftigen Ende stehen die rechtspopulistischen Udo Ulfkotte und Michael Brückner, die ihre Publikation mit einem Klappentext zieren: „Die Diktatur der Gutmenschen. Jetzt reicht’s: Schluss mit dem politisch korrekten Wahnsinn!“

Frau Büning schreibt weiter: „Hätten echte Flüchtlinge (es waren ja aber keine echten dabei) diese flüchtlingssimulierende Hochkulturperformance (hätten sie sie miterlebt) eventuell für nützlich gehalten? Oder für puren Zynismus? Musik ist eben doch politisch,“ sagt sie. Vor allem eben dieses Gutmenschentremolo, das aber ziemlich doof sei.

Es ist eine Sache, dass der Begriff und die Phrase vom Gutmenschen nicht mehr zu retten ist, er als Schimpfwort sich etabliert hat, aber genau deshalb und genau deshalb, weil der Kontext die Musik macht, wie Eleonore Büning doch weiter oben schrieb („Ein Ton ist ein Ton ist ein Ton. Nichts weiter. Erst wenn ein zweiter dazu kommt, vielleicht noch ein dritter Ton oder ein Puls oder Beat oder Wort, kann daraus etwas werden. Erst der Kontext macht die Musik“), sollte man sich schon auch an die eigene Nase fassen und den sprachlichen Kontext wahrnehmen, den man selbst konstruiert.

„Gutmensch“ (ohne Tremolo) wurde bereits 2015 zum Unwort des Jahres erklärt. Das erläutert man in der Wikipedia so:

„Für das Jahr 2015 war die Begründung, dass im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsthema insbesondere auch diejenigen beschimpft werden, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe oder gegen flüchtlingsfeindliche Angriffe in der Bundesrepublik Deutschland einsetzen. Die Wahl war beeinflusst durch das Flüchtlingsthema 2015. ‚Gutmensch‘ wurde gewählt, weil der Begriff Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd diffamiere. Die Kritik richte sich nicht nur gegen Rechtspopulisten, sondern auch gegen Journalisten auch von Leitmedien, die das Wort ‚Gutmensch‘ gebrauchen würden.“

Dieser Kontext nun ist es, der Bünings Verwendung doppelt unangemessen klingen lässt. Es sei denn, mal halte Büning eine doppelte Umdrehung eines verwerfenden Vorwurfs zugute. Dass sie also an Flüchtlings statt sich gegen diese Form der Inszenierung wende. Das wäre dann aber ebenso unschicklich wie die Inszenierung selbst an Flüchtlings statt. Mir ist es schleierhaft, warum Eleonore Büning auf diese falsche und diffamierende Metapher setzt. Ist es der misslungene Versuch einer politisch-inkorrekten Kritik?

Man kann verstehen, dass man diese ästhetische Aneignung und Umsetzung für missraten, für misslungen, für trivial oder für ideologisch-falsch hält. Man kann sich auch über die Programmheftsprache dazu aufregen. Man kann all dies machen und noch mehr. Man kann die Hände vor den Kopf schlagen und die Aktion dümmlich finden. Aber ist sie eine Form „politischen korrekten Gutmenschentremolos“?

Die Sache mit der Ungemütlichkeit

Viel präziser und souveräner ging der BadBlogOfMusick-Autor Alexander Strauch mit der Transit-Geschichte um: „Sich als Streicherkapelle als Flüchtlinge zu verkleiden ist ein interessanter Versuch, in die Haut des Heimatlosen zu schlüpfen. Dann allerdings 14 Musizierenden 10 Minuten beim Ausziehen der Flüchtlingsmäntel zuzusehen oder in Dmitri Kourliandski Maps of non-existent cities: Donaueschingen von den Sitzdecken vertrieben zu werden, erhöht nicht unbedingt die Erkenntnis über die Existenz von Flüchtlingen. Ich blieb einfach sitzen, überbrückte durch Handytippen jeden Verscheuchungsversuch. Um das Leben von Flüchtlingen zu verstehen, hilft es nicht, einen selbst zum Fliehenden zu machen.“ (Alexander Strauch: Donaueschinger Musiktage 2017/3: Substanz und Bezahlung)

Eigenartig ist andererseits, wie schnell die Assoziation zum Thema „Flüchtling“ überhaupt hergestellt wird. Der hat einen „Flüchtlingsmantel“ an, wird im LKW transportiert und verscheucht Menschen von ihren Armeematten – und spielt auf Musikinstrumenten? Im Prinzip sagt das alles doch wieder nur mehr über die Wahrnehmungweise des Publikums aus. Man geht mit Stereotypen auf Stereotypen aus. Für den Festivalleiter Björn Gottstein geht es dabei um die Herstellung anderer „Formen konzentrierten Hörens“ (gegenüber Deutschlandfunk Kultur). Und zu „Transit“ konkret: „Deswegen bin ich sehr glücklich über diese leicht malträtierende Publikumsführung in diesem Konzert ‚Transit‘.“ [Quelle: Deutschlandfunk Kultur] Das ist freilich irgendwie auch ein bisschen billig und erinnert an die Formulierung, die ich seit meiner Kindheit – und bis heute – im Zusammenhang mit „Neuer Musik“ hörte: „In der Neuen Musik gehe um die Veränderung/Erweiterung von Hörerwartungen.“

Simulation des Theaters als Realität

Kunst will Realität simulieren, hier will sie sie offenbar verdoppeln. In einem inszenatorischen Galopp aus Klischees. Und demnächst dann? Szenarien künstlicher Bestrahlung mit UV-Licht, mit Plutonium, mit künstlicher Folter, mit Plastiktüten über den Köpfen? Das hat nichts mit Gutmenschentremolo zu tun, sondern mit ästhetischem Scheitern und zwar gegenüber einem Kollektiv von Publikum, das damit überrollt wird – ungeachtet der Tatsache, dass ihm das Thema durchaus vertraut sein könnte und es aktionistischer Belehrungen dieser Art nicht bedarf. Schnell wird so etwas zu einer Bevormundung des Publikums, da hatte man früher den Begriff des „moralischen Zeigefingers“ für.

Was läuft da wirklich schief? Vor über 17 Jahren habe ich einmal über Christoph Schlingensiefs eine sinnreiche Aktion vor der Wiener Staatsoper geschrieben:

„Tom Stoppard sagte einmal, wenn man vom Fenster aus sehe, wie ein Unrecht geschehe, dann sei es das Nutzloseste, was man tun könne, ein Stück darüber zu schreiben,“ heißt es in Arthur C. Dantos Buch „Die Verklärung des Gewöhnlichen“ und Danto ergänzt: „Ich würde noch weiter gehen und sagen, dass etwas falsch daran ist, Stücke über die Art Unrecht zu schreiben, bei der wir eine Pflicht zum Eingreifen haben, da dies das Publikum genau in jene Art von Distanz versetzt, die der Begriff psychische Distanz beschreibt.“

Quasi wie unter dieser Maxime betritt Christoph Schlingensief in seinem Container-Theaterstück vor (!) der Wiener Staatsoper das Terrain der Kunst. Mit Asylantragsbewerbern wurde dort ein makaberes Schauspiel geboten, das offenbar Öffentlichkeit produzierte. Nach Big-Brother-Vorbild sperrte Schlingensief zehn Asylbewerber in einen Container und setzte sie der Außenwelt aus. Diese konnte per Telefon entscheiden, welcher Ausländer raus musste. Waren beim Einzug der Asylbewerber höchstens 200 Menschen anwesend, so stieg im Laufe der Produktion das öffentliche Interesse und kulminierte in der Befreiung der Asylbewerber aus dem Container – und zwar nicht durch Einsatz der staatlichen Organe, sondern durch die Donnerstagsdemonstranten gegen die Regierungsbeteiligung der FPÖ. Diese Form der Aktivierung unterscheidet sich vom medialen Big-Brother-Zwitter. Anstelle einer sich selbst simulierenden Medienshow werden politische Scheinbilder quasi de-simuliert. Dadurch wird das Theater vom Kopf auf die Füße gestellt.“ (Alles Theater, in nmz: 2000/07)

Druck der Intimität

Die Werkzeuge politischen Theaters sind vielfältig, aber sie sollten angemessene Formen wahren. So hat es auch Stefan Drees in seiner Kolumne „Vom Zwang zur Intimität“ in der Zeitschrift „Seiltanz“ (Ausgabe 14, April 2017, S. 44-45) formuliert: Es „wäre der Sache doch angemessener, das anwesende Publikum durch ästhetisch überzeugende und originelle Theaterkonzepte – klanglicher wie szenischer Art – zu involvieren. Wenn hierbei alles stimmt, sollte es auch keiner unnötigen Berührungen bedürfen … und auch Peinlichkeiten blieben dann aus.“ Zu etwas verhalten kann man sich doch nur, wenn man sich selbst dazu verhalten kann und nicht verhalten wird. Sonst erfolgt eben nur eine dürftige Depotenzierung von Souveränität.

Aber mit „Gutmenschentremolo“ selbst hat die Inszenierung oder der Klang des Solistenensembles Kaleidoskop wirklich nichts zu tun.

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Auch das kann man kaum fassen. In einer Stellenanzeige der „Internationalen Händel-Festspiele Göttingen GmbH“ wird eine Assistenz im künstlerischen Betriebsbüro gesucht. Die Tätigkeiten sind umfangreich, es ist ja auch eine komplexe Tätigkeit.

Mitbringen sollte man ein „Abgeschlossenes Studium, vorzugsweise in Musikwissenschaft/Kulturmanagement o.ä. bzw. eine abgeschlossene Ausbildung mit vergleichbarem Inhalt und erste Berufserfahrung im Kulturmanagement“. 38,5-Stunden-Woche ist eh klar. Berufseinsteiger sind erwünscht und eine Art Gehalt gibt es auch noch obendrauf.

Die Vergütung erfolgt auf Mindestlohnbasis. Also 8,84 Euro. Das sind laut Mindestlohnrechner des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales 1.475 Euro im Monat. Da möchte man nicht wissen, wie hoch der Betrag gewesen wäre, wenn es den Mindestlohn noch nicht gäbe. Achja, befristet ist das Ganze auf sechs Monate.

Wenn man es vorsichtig positiv interpretieren möchte, dann handelt es sich um ein Praktikum nach Ausbildung. Oder Basis meint hier simpel, ein Vielfaches davon ist zu erwarten. So ist das eben im Betrieb, so haben alle angefangen, wenn nicht sogar noch schlimmer.

Heute ist das ja sowieso der Bachelor und der ist ja schnell gemacht, wenn man genug Zeit hat.  Lehrjahre sind keine Herrenjahre, selbst wenn sie vorbei sind.

Und man muss bedenken, der Händel hatte es auch nicht immer ganz leicht. Im Gegenteil.

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Gestern lief der großartige Film über Anna-Lena Schnabel im TV. Zur Sprache kamen dabei eigenartigen Verhältnisse beim Zustandekommen des ECHO Jazz. Ich habe in der JazzZeitung.de einiges angedeutet:

TV-Tipp: Der Preis der Anna-Lena Schnabel (3sat) – und ein medienpolitisches Ärgernis

Was man sich dabei immer vor Augen halten muss, ausgerichtet wird der ECHO Jazz von der Deutschen Phonoakademie. Nach eigenen Worten.

Die Deutsche Phono-Akademie, das Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie e. V., ehrt mit dem Preis jährlich herausragende und erfolgreiche Leistungen nationaler und internationaler Künstler. (Quelle)

Manchem kommt die Kombination schon etwas eigenartig vor. Das klingt ein bisschen wie das Freiheitsministerium von Nordkorea. Aber eben so handelt es. Wenn es kaum Honorare für die auftretenden Künstler beim ECHO Jazz verteilt. Oder wie Geschäftsführer Florian Drücke über das Einsparpotential bei einer Kürzung des roten Teppich nachdenkt.

Der angeblich so bedeutende Preis, den man sich leisten können muss, was ist das denn wohl? Ich nehme an, dass auch der angebliche Vorstand in Person Prof. Gornys schwer Eintritt zu entrichten hatte. Die Presse auch, überhaupt. Alles wegdeckeln.

Es wäre einfach ein bisschen ehrlich, wenn man das zugeben würde; und es wäre auch ein bisschen ehrlich, wenn dies alle Beteiligten täten. Auch die Künstlerinnen, auch die Journalistinnen, auch die Labelbetreiberinnen, auch die Moderatorinnen. Und die Fans. Anders freilich, wenn sich alle gerne betrügen lassen wollen. Auch das wäre hinnehmbar, wenn man es kenntlich machen würde. Als musikalische Butterfahrt oder als Kaffeefahrt für ein darbendes Metier. Am Ende hat man dann seine musikalische Wärmedecke gut verkauft.

Aber es sind auch die Mitglieder der Jury zu erwähnen, die den Preis „nobilitieren“ – vom WDR, dem NDR, Jazzjournalisten mit Amt und Würden. Alle machen sie da mit. Manche aber eben auch definitiv nicht. Die Presse-Interviews vor Ort mit dem andauernden „Was bedeutet Ihnen der Preis?“-Gefrage, auch schwach. Stark hingegen 3sat, die das Stück sendeten. Und stark der Filmautor. Stark manche Interviewpartner innerhalb des Filmes.

Anna-Lena Schnabel hat die Sache im Film übrigens wirklich gut gelöst. Wenn man schon mal da ist, kann man auch ein bisschen die Leute an die Wand fahren lassen.

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Man möchte es nicht verfassen. Aber es gibt beim Verfassungsschutz ein aktives Merchandising. Keiner will zum Verfassungsschutz, niemand will mit denen kommunizieren. Mit Pfefferminz bis Du mein Prinz, mit Ausweis-Jojo spreche ich mit Journalistinnen, Cashewnüsse für den Wirtschaftsschutz, Pfefferminzdose  „Abgehört“ kann man sich nicht ausdenken. Fehlen nur die Schutzhund-Wackeldackel für das Diplomatenfahrzeug.

„Um „Merchandising des Bundesamtes für Verfassungsschutz“ (BfV) geht es in der Antwort der Bundesregierung (18/13682) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (18/13642). Darin listet die Bundesregierung unter anderem Werbemittel auf, die bereits genutzt werden beziehungsweise in Planung sind. Wie sie dazu ausführt, beziehen sich diese Ausführungen „auf die momentane Produktpalette von Werbemitteln, nicht aber auf Produkte, die das BfV in früheren Jahren verwendet hat“.

Genannt werden für den Bereich „Personalgewinnung“ in der Auflistung „Kugelschreiber, Turnbeutel aus Baumwolle, Schraubendreher-Stift mit Licht, Schlüsselanhänger, Collegeblöcke, Hardcoverbox mit Klebezetteln, Textmarker und Gesetzestext-Taschen“ sowie für den Bereich „Öffentlichkeitsarbeit“ „Kaffeebecher, Schreibsets, Ausweis-Jojos und Basecaps“. Für den Bereich „Wirtschaftsschutz“ werden in der Antwort „Pfefferminzdosen, Cashewnüsse, Swiss Card, Kugelschreiber Lamy ,Prävention durch Dialog und Information‘ und Schlüsselwiederfinder“ aufgeführt und für den Bereich „Geheim- und Sabotageschutz“ „Kugelschreiber Reise, Kugelschreiber VS, Lentikular (3D-Effekt-Bild) Mappe ,Social Engineering‘, Pfefferminzdose ,Social Engineering‘, Pfefferminzdose ,Abgehört‘ (Kommunikation), 3-Monats-Jahreskalender 2018 ,VS‘ und Notizwürfel“.

Für den letztgenannten Bereich geplant sind den Angaben zufolge „Notizbuch ,Im Ausland unterwegs‘ (Reise) (Premiumwerbemittel), Tempobox ,Social Engineering‘ und Doppelwandiges Glas ,Kommunikation heute‘ (Premiumwerbemittel)“. Für die anderen aufgeführten Bereiche sind laut Vorlage aktuell keine weiteren Werbemittel geplant.“

Präservative, KO-Tropfen undsoweiter sind nicht aufgelistet worden, obwohl ich jetzt wirklich nicht mehr daran erinnern kann, dass auch die vermerchant werden. Klar, Tarnname „Pfefferminzdose“ und „Turnbeutel aus Beton“.

Wenn jetzt daraus mal wirklich jemand einen Schlager machen könnte, wäre ich recht dankbar. „Reise nach Jerusalem“ und „Ich packe meinen Agentenkoffer …“

Der Beitrag Premiumwerbemittel des Verfassungsschutz erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

ARD und ZDF wollen sich wandeln, müssen sich wandeln … das fordern sie in den Gazetten an vielen Stellen. Ob die FAZ(Z) mit ihrem üblen Staatsfunk-Vorwurf kommt, Springerchef Mathias Döpfner faselt spricht von einer Gefährdung nach nordkoreanischem Muster (oder auch nicht, wie Michael Hanfeld mit ein paar sog. sprachlichen Bernd-Höcke-Sprüngen meint) oder der Spiegel etwas von einer „unheimlichen Macht“ titelt.

Journalismus sei ein „Werkzeug der Freiheit“, der „Scheinwerfer der Aufklärung oder, eine Nummer kleiner, zumindest die Taschenlampe des mündigen Bürgers“. 01)Was Döpfner wirklich gesagt hat. Michael Hanfeld in der FAZ jQuery("#footnote_plugin_tooltip_4834_01").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_4834_01", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });

Und noch kleiner geht’s nicht, oder? Gerade so, als ob es in ARD und ZDF keinen Journalismus gäbe. So trennt man denn die Welten des Journalismus in gebührenfinanziert und privatwirtschaftlich, aber warum? Vielleicht macht ein kurzer Blick in den Zeitungs/Zeitschriften-Journalismus schlau. Da blickt man gerade mal kurz in ein Focus-Magazin und findet:

screenshot-www.focus.de-2017-10-11-12-32-20

Genau, das läuft unter „Kultur“. So wie Focus unter „Journalismus“ läuft, oder? Weiterführende Texte aus dem kulturellen Kontext sehen dann so aus:

screenshot-www.focus.de-2017-10-11-12-33-42

Ja. Wie gut, dass wir Meinungsvielfalt haben. Wenngleich sich die Meinung nicht auf gerade Allzuvieles zu beziehen scheint. Das ist der Focus, aber ja nicht die FAZ. Die FAZ ist nämlich wirklich fairer Journalismus. Vollkommen über den Dingen. Wenn sie halt nur nicht ihre Autoren hätte. Michael Hanfeld zum Beispiel. Dessen Kritik ist fast immer goldrichtig vorhersehbar. Sie ist weniger von Erkenntnis als Betroffenheit gekennzeichnet. So sehr der öffentlich-rechtliche Rundfunk Kritik nötig braucht, so sehr sollte man aber seine Zielscheibe genau so scharf eingrenzen, dass man sein Ziel auch triffen kann und nicht wie mit der argumentativen Schrotflinte kollateral Unersetzbares mittrifft.

Zurück: Die geforderten Wandelungen, die man dem öffentlichrechtlichen Rundfunksystem auferlegen möchte, betreffen sehr viele Punkte. A) der Rundfunkbeitrag soll nicht steigen; B) um das zu gewährleisten muss man rationalisieren (das sagt einem schon der bloße Menschenverstand ökonomischer Entwicklungen – dann hat eine Schokolade eben nur noch 140 gr statt 150); C) das geht am besten durch Fusionen (Erfahrungen dazu gibt es auch hinreichend – leider hat sich der Rundfunk daran auch schon prima selbst beteiligt – siehe Orchesterfusion beim SWR und das entsprechende Dossier in der neuen musikzeitung: SWR-Orchesterfusion) oder es geht dann, wenn einfach in weniger Zeit gleich viel geleistet wird (auch da hat man Erfahrungen, statt Redakteuren können ja auch Computerprogramme senden gestalten und moderieren).

Leider scheint sich die Sache eben dorthin zu entwickeln. Der Wandel geht voran durch schleichenden Qualitätsverlust, durch programmatische Ausdünnung zu leichter Kost hin, zu Automatismen. Damit aber schafft man erst die Möglichkeit, richtig einzukürzen. Wo sich die Programme immer mehr angleichen und dünnflüssiger werden, lassen sie sich auch schnell mixen und zusammenlegen.

Weltumfrage zur ARD/ZDF. Screenshot

Der Meinungskompass der Welt zur Frage von ARD/ZDF-Qualität/Fusion ist natürlich irgendwie durch eine zweidimensionale Darstellung völlig widersinnig und die Nadel schlägt die falsche Richtung ein. Denn die Qualität der Abstimmung findet kaum Beachtung. Die wären eher nach einer überzulegenden Sanduhr zu betrachten. Und da wäre eben der Nordosten von besonderer Bedeutung – oder der Nordwesten. Danach sind ARD und ZDF nämlich gute Sender – und die Leserinnen tendieren eher dazu, sich keine Fusion zu wünschen.

Letztes Problem: Der Begriff des Wandels. Wandel ist nicht immer gut oder schlecht. Es ist immer zuerst einmal nur Wandel. Den Wandel, den sich die FAZler, Spiegler und Döpfner wünschen, wäre vor allem: Haltet Euch aus unserem Geschäft heraus. Manipulieren und informieren dürfen nur wir, weil wir nicht gebührenfinanziert sind und nur abhängig vom Anzeigengeschäft und unseren Abonnenten. Und so gesehen wird eben umgekehrt ein Schuh draus: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss Mut zu seiner Selbstverwirklichung haben. Unabhängigkeit (und da muss man mal auch an die Rundfunkratssystem heran) und korrekten Bedarf ermitteln und auch fordern. Damit zum Beispiel eine Orchesterfusion wie beim SWR nicht durchgeführt werden kann.

Ich empfehle nach wie vor Andreas Kolbs Leitartikel aus der nmz 9/2017. Neuer Rundfunk in der Sackgasse? Die Reform kann keine sein, deren Ziel die Abschaffung dieses wunderbaren Instruments der Kultur sein könnte.

Aber ein bisschen blöde stellen sich die Sender schon an. In der Vergangenheit hat gerade im kulturellen Bereich vieles seinen Wandel schon vollzogen. Leider nicht zum Besten. Die Ignoranz, mit der seinerzeit der NDR auf die Initiative „Das GANZE Werk“ reagierte, wäre ein Beispiel. Wie der MDR sein Kulturprogramm figaroisiert ein weiteres. Der Wellenwegschub von BR-KLASSIK in den DAB+-Orkus das nächste. Schelllackschätzchen beim WDR: weg. Radio Multikulti beim rbb: adieu. So macht man es sich nicht leicht, Freunde zu finden und vergrämt die Freunde insbesondere, die sich für den öffentlichrechtlichen Rundfunk besonders starkt gemacht haben.

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01. ↑ Was Döpfner wirklich gesagt hat. Michael Hanfeld in der FAZ function footnote_expand_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").show(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("-"); } function footnote_collapse_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").hide(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("+"); } function footnote_expand_collapse_reference_container() { if (jQuery("#footnote_references_container").is(":hidden")) { footnote_expand_reference_container(); } else { footnote_collapse_reference_container(); } } function footnote_moveToAnchor(p_str_TargetID) { footnote_expand_reference_container(); var l_obj_Target = jQuery("#" + p_str_TargetID); if(l_obj_Target.length) { jQuery('html, body').animate({ scrollTop: l_obj_Target.offset().top - window.innerHeight/2 }, 1000); } }

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Von vielen bestritten und als falsch oder überflüssig empfunden: Die Unterscheidung von E- und U-Musik, also von Ernst und Unterhaltung. Abrechnungstechnisch für die Urheber nicht unwesentlich, empfindet sie manch einer als lästig, grausam und überholt.

Die eine Ausfassung ist dem Wunsch, die andere der ökonomischen Realität geschuldet. In der Musikästhetik hält man unter Umständen ganz gerne daran fest, neigt dann das eine dem anderen zu und das anderem dem einen. Die größten Probleme zeigen sich da im und beim Jazz. Da weiß man nie so ganz genau, was was ist. Wenn man nicht dazu tanzen kann, ist es E, wenn doch, dann U.

Jetzt hatte ich einmal in der Redaktion des Onlinebereichs der neuen musikzeitung die Chance, das Thema ein für alle male zu erledigen. Und zwar ganz ohne Musik, nur durch zwei Bilder.

Scrennshot nmz.de (5.10.2017)

Links ein Szenenfoto aus einem Musical (Fame – in Kiel), rechts eines aus einem Singspiel von Mozart (Zauberflöte in Erfurt). Da wäre die Position der Geschlechter zueinander einmal schon eine ganz andere. Die Haltung und Spannung der Körper in der Situation ist ebenso eine ganz andere. In dem Singspiel aus dem 18. Jahrhundert etwas plump, patschig. Im Musical kommunikativ, spannend, leicht. Fast schon zu schwebend.

Nicht von ungefähr kommt nämlich ein weiteres Distinktionsmerkmal ins Spiel: Leicht und schwer und: hoch und niedrig (bezeichnenderweise nicht „tief“). Immerhin hatte Adorno noch leichtes Spiel damit, wenn er kategorienschwer schrieb:

„Der Begriff der leichten Musik liegt im Trüben der Selbstverständlichkeit. Daß jedem bekannt sei, was über ihn ergeht, wenn er unbedacht das Radio andreht, scheint von der Besinnung darüber zu befreien, was es ist.“ 01)Band 14: Dissonanzen. Einleitung in die Musiksoziologie: II. Leichte Musik. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 11520 (vgl. GS 14, S. 199) jQuery("#footnote_plugin_tooltip_1692_01").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_1692_01", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });

Doch das führt letztlich in die Irre, Adorno hat das 1932 schon mit etwas höherer Präzision gesehen. In seinem Aufsatz zur „gesellschaftlichen Lage der Musik“ (so einen Text mit dieser Überschrift würde sich heute ja niemand mehr zu schreiben trauen) heißt es etwa:

„Andererseits enthält gerade die ›leichte‹ Musik, von der gegenwärtigen Gesellschaft geduldet, verachtet und benutzt gleich der Prostitution, mit der sie als ›leichtgeschürzt‹ nicht umsonst verglichen wird, Elemente, die wohl Triebbefriedigungen der heutigen Gesellschaft darstellen, deren offiziellen Ansprüchen aber widerstreiten und damit in gewissem Sinne die Gesellschaft transzendieren, der sie dienen.“ 02)Band 18: Musikalische Schriften V: Zur gesellschaftlichen Lage der Musik. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 15531 (vgl. GS 18, S. 733-734) jQuery("#footnote_plugin_tooltip_1692_02").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_1692_02", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });

Das mit dem Transzendieren darf man jetzt mal weniger ätherisch nehmen, denn deftig. Kürzer: In der leichten Musik geht es durchaus auch zur Sache. Und deswegen kann Adorno ziemlich dreist seinen späteren Kritikern in die Parade fahren, wenn er wenige Wort später ergänzt:

„Darum ist die Scheidung leichter und ernster Musik durch jene andere zu ersetzen, die die beiden Hälften der musikalischen Weltkugel gleichermaßen im Zeichen der Entfremdung sieht: Hälften eines Ganzen, das freilich durch deren Addition niemals rekonstruierbar wäre.“ 03)Band 18: Musikalische Schriften V: Zur gesellschaftlichen Lage der Musik. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 15532. (vgl. GS 18, S. 734) jQuery("#footnote_plugin_tooltip_1692_03").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_1692_03", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });

Besser kann man es fast nicht sagen, außer durch die beiden Szenenbilder oben. Um das eine Bild zum anderen verstehen zu können, benötigt man beide. Für sich wären beide Positionen schlechterdings negative Bilder aus zwei Sphären. Die Kombination erst schließt den Witz auf, der nötig ist, um beiden Bildern ihr Recht zu geben.

PS

Anderes Thema:

Und ein anderes:

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01. ↑ Band 14: Dissonanzen. Einleitung in die Musiksoziologie: II. Leichte Musik. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 11520 (vgl. GS 14, S. 199) 02. ↑ Band 18: Musikalische Schriften V: Zur gesellschaftlichen Lage der Musik. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 15531 (vgl. GS 18, S. 733-734) 03. ↑ Band 18: Musikalische Schriften V: Zur gesellschaftlichen Lage der Musik. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 15532. (vgl. GS 18, S. 734) function footnote_expand_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").show(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("-"); } function footnote_collapse_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").hide(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("+"); } function footnote_expand_collapse_reference_container() { if (jQuery("#footnote_references_container").is(":hidden")) { footnote_expand_reference_container(); } else { footnote_collapse_reference_container(); } } function footnote_moveToAnchor(p_str_TargetID) { footnote_expand_reference_container(); var l_obj_Target = jQuery("#" + p_str_TargetID); if(l_obj_Target.length) { jQuery('html, body').animate({ scrollTop: l_obj_Target.offset().top - window.innerHeight/2 }, 1000); } }

Der Beitrag Unterschied von E- und U-Musik erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

Seite einiger Zeit kursiert im Internet eine Unterschriftenliste mit der einige Initiatoren wie der Deutsche Kulturrat, der Deutsche Musikrat und Personen wie Iris Berben den Ältestenrat des Deutschen Bundestags auffordern, den Vorsitz für den Bundestagsausschuss zu Kultur und Medien nicht einem Vertreter oder einer Vertreterin der AfD zu überlassen. Gerade der Kulturausschuss sei ein besonders sensibler Ort, dessen Vorsitz auf keinen Fall in die Hände der AfD fallen dürfe.

„Es darf nicht passieren, dass beim Kampf um Einflusssphären die AfD an einer der sensibelsten, wichtigsten Stellen unseres parlamentarischen Systems ihr nationalistisches Gift in die Debatten injiziert: Der deutschen Kulturpolitik.“ [Quelle: kulturausschuss-schuetzen.de]

Die Aufregung ist groß, der Zuspruch ebenfalls; man traut sich da fast schon nicht, Einspruch zu erheben. Die Liste umfasst mittlerweile fast 13.000 Personen.

Dabei gelingt es den Autoren des Briefes an keiner Stelle, darzulegen, welche konkreten Folgen für die Bundeskulturpolitik daraus erwachsen könnten. Oder welchem Ausschuss die Unterzeichnenden weniger Bedeutung zumessen würden, dessen Vorsitz dann eine/r von der AfD übernehmen könnte. Das ist wenig konstruktiv und erstaunlich armselig. Man kann dem rechten Populismus von rechts nicht mit einem Populismus aus der Mitte (oder links) antworten. In Worten: Es gibt kein einziges Argument seitens der Briefschreiber. Denn der Vorsitzende des Ausschusses legt ja nicht die Richtlinien der Kulturpolitik des Bundes fest.

Mit dem Vorsitz sind folgende Aufgaben verbunden, die in einem Kommentar in der Community des Freitag Benjamin-Immanuel Hoff aufzählt:

  • „(1) Dem Vorsitzenden obliegt die Vorbereitung, Einberufung und Leitung der Ausschusssitzung sowie die Durchführung der Ausschussbeschlüsse.
  • (2) Der Vorsitzende erteilt das Wort in der Reihenfolge der Wortmeldungen unter Berücksichtigung des § 28. Abs. 1 Satz 2.
  • (4) Ist der ordnungsgemäße Ablauf einer Sitzung nicht mehr gewährleistet, kann der Vorsitzende die Sitzung unterbrechen oder im Einvernehmen mit den Fraktionen im Ausschuss beenden.“

Die Angst könnte höchstens doch diese sein, dass ein Ausschussvorsitzender die Ausschussarbeit behindert, lähmt oder boykottiert. Oder dass er/sie als erster Ansprechpartner/in der Öffentlichkeit manipuliert und falsches Zeugnis über die Arbeit des Ausschusses ablegt. Dies ist auch das einzige „Argument“, das man anführen könnte: „dass die AfD durch einen Vorsitz im Kulturausschuss parlamentarischer Ansprechpartner unserer Partner im Ausland für den Bereich Kultur und Medien wird.“ Dann wird man darauf eben reagieren müssen. Aber die Argumente, wie von Motschmann (MdB) angeführt, wirken hilflos. Oder hat man Angst vor allem deswegen, weil man dann nicht mehr so gerne den Vorsitzenden des Ausschusses zu eigenen Veranstaltungen einladen möchte? Statt Siegmund Ehrmann käme dann ja … Marc Jongen? [Ganz sicher kein Vergnügen, dann.]

Aber auch so ist es ja nicht gerade einfach, wie das Abstimmungsverhalten von CDU und AfD in Thüringen zeigt.

CDU stimmt mit AfD gegen Gedenkstätte für NSU-Opfer #Thüringen https://t.co/z5rgslL2bg

— Tilo (@TiloJung) September 29, 2017

Mal ehrlich. Sieht so die wehrhafte Demokratie aus, sie so etwa Kulturpolitik in der Zukunft aus? Bitte an die eigene Nase fassen!

Nun haben wir in Deutschlands Bundesländern einige AfDler in Ausschüssen, auch als Vorsitzende, sitzen. Noch ist mir nicht bekannt geworden, dass sie das besonders gut oder schlecht gemacht hätten. In Hoffs Thüringen hat beispielsweise Stephan Brandner den Vorsitz im „Ausschuss für Migration, Justiz und Verbraucherschutz.“ Sicher könnte man schauen, was da passiert oder was unterlassen wird. Vielleicht kann Benjamin-Immanuel Hoff aushelfen.

In dem kommenden Ausschuss für Kultur und Medien werden auch Vertreter der AfD sitzen und sie werden, wenn sie sich zu dieser Arbeit tatsächlich bequemen, auch das Wort erheben. Hier im Ausschuss selbst wird also die Konfrontation nicht ausbleiben und sie wird auf irgendeine Weise geführt werden müssen.

Hoff ist aber konstruktiv – und genau so würde ich sehen – wenn er sagt:

„Obwohl Kunst, Kultur und Medien also zu gesellschaftlich vulnerablen Bereichen gehören, sind gerade die Angehörigen dieses Sektors traditionell besonders widerständig. Mehr noch, wir sprechen von einzelnen dieser Institutionen stolz als den ‚Sturmgeschützen der Demokratie‘.“

Wenn also Paroli zu erwarten ist, dann gerade in der Ausschussarbeit dieses Ausschusses. Gerade hier könnte man die AfD-Dummheiten enttarnen etc. Noch einmal Hoff, der ja Kultur-, Bundes- und Europaminister sowie Chef der Staatskanzlei in Thüringen ist.

„Statt sich also zu verzwergen und die Verantwortung für die notwendige Alltagsarbeit der kommenden vier Jahre – sich mit der AfD hart auseinanderzusetzen, ihre Losungen und Strategien zu decodieren – an andere Arenen des Bundestages zu verweisen, hätte der Offene Brief lauten müssen: ‚Sollte die AfD den Vorsitz im Ausschuss für Kultur und Medien anstreben, stehen wir bereit. Denn wir zeigen, wie 87% dieser Gesellschaft ticken!‘“

Andererseits birgt dieser Offene Brief zugleich die Gefahr, gar nicht zu wirken. Dann ginge nichtsdestoweniger der Vorsitz an die AfD. Und dann hätte man genau den Quark, dass man sich in die Ecke stellen kann und weinen, wie wenig bedeutsam offenbar dieser Ausschuss sei. Obwohl er für die Unterzeichnenden doch der Wichtigste zu sein scheint.

Gewiss, auch ich würde mir wünschen, die AfD wäre nie in den Bundestag eingezogen und würde jetzt nicht, parlamentarischer Gewohnheit folgend, Ämter besetzen. Aber daran wird wohl eher kein Weg vorbei führen. Aber noch ist ja nichts entschieden. Dafür ist aber allerhand Staub aufgewirbelt worden.

Es wird in der Tat nämlich sehr viel davon abhängen, welche Mitglieder die anderen Parteien in den Ausschuss entsenden. Besser wäre es also die Dinge zu beeinflussen, die man wirklich ändern kann. Also für eine gute Besetzung des Ausschusses zu sorgen.

Deshalb mal ein kurzer Blick auf die Arbeit in der letzten Legislaturperiode: Hier Ausstellungsvergütung

Ausstellungsvergütung abgelehnt

Kultur und Medien/Ausschuss – 21.06.2017 (hib 390/2017)

Berlin: (hib/AW) Die Linksfraktion ist mit ihrer Forderung nach einer Ausstellungsvergütung für bildende Künstler im Kulturausschuss gescheitert. Der Ausschuss lehnte den entsprechenden Antrag (18/12094) mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen gegen das Votum von Linken und Bündnis 90/Die Grünen am Mittwoch ab.

Für die öffentliche Verwertung und Nutzung von Werken sei im Urheberrecht für Künstler aller Sparten mit Ausnahme der bildenden Kunst eine Vergütung vorgesehen, heißt es im Antrag der Linken. Deshalb soll die Bundesregierung einen Gesetzentwurf vorlegen, um eine Vergütung auch für die bildende Kunst zu ermöglichen. Ausgenommen werden soll davon jedoch der professionelle Kunsthandel. Die Ungleichbehandlung der bildenden Kunst müsse endlich beendet werden, hieß es in der Ausschusssitzung aus der Linksfraktion. Dieser Argumentation schlossen sich auch die Grünen an. Über das Problem werde bereits seit mehr als 30 Jahren diskutiert. Bildende Künstler müssten bei Ausstellungen mitunter „noch draufzahlen“, wenn sie beispielsweise die Kosten für den Transport ihrer Werke selbst finanzieren müssen.

Die Unionsfraktion lehnte das Ansinnen hingegen ab. Bildende Künstler würden sich eben durch den Verkauf ihrer Werke finanzieren. Deshalb sei die Zahlung einer Ausstellungsvergütung kontraproduktiv. Es bestehe die Gefahr, dass es dadurch zu weniger Ausstellungen käme, auf denen die Künstler ihre Werke präsentieren können.

Die SPD begrüßte die Zielsetzung des Antrags zwar ausdrücklich und verwies auf praktikable Regelungen in Schweden. Allerdings habe man sich innerhalb der Koalition mit dem Ansinnen nach einer ähnlichen Lösung nicht durchsetzen können.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. SPD begrüßt die Zielsetzung des Antrags zwar ausdrücklich, aber die Koalition mit der CDU lässt nicht zu, dem zuzustimmen. Und da hat man Angst vor dem Vorsitz der AfD? Vielleicht sollte man sich wirklich besser darauf konzentrieren zu beobachten, was die neue Regierung so kulturpolitisch tun wird. Es wird ja alles neu!

Der Beitrag Falsche Angst vor der AfD – Panik im Kulturbereich? erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

Ein Wahlplakat. Ein Wahlplakat hat selten die Aufgabe, Informationen korrekt zu transportieren. Ein Wahlplakat gehört in die Kategorie Werbung. Und wie Satire darf Werbung alles – außer Langweilen. Deshalb geht es um Slogans, die gleich den einen oder die andere treffen. Mauricio Kagel hat das einmal in einem Hörspiel („Guten Morgen!“) verbraten und die Lautstärke entsprechend korrigiert. Wer schreit, hat Recht.

Auch wenn heute fast die ganzen Werbefilmchen auf YouTube mit musikalischen Gesäusel und akustischem Gekräusel unterlegt sind, überdeckt es die Absicht. Musikalische Blindschleichen sind Dauerzustand.

Man kann etwas aber auch so falsch ausdrücken, dass alle meinen, er wäre richtig. So gesehen erst jüngst bei der FDP.

Wahlwerbung der FDP. Foto: Hufner

Was gemeint ist: Eine Investition in die schulische Bildung wird die Welt verändern. Aktenkofferträger jedoch nicht. Zweierlei: Erstens sagt die FDP damit nicht mal gar nichts aus. Wenn Schulranzen die Welt verändern könnten, wäre das dann gut oder eher schlecht. Aber haben Schulranzen jemals die Welt überhaupt verändert. Ist es nicht eher immer schon die Schulranzenindustrie gewesen? Und war es nicht lange Zeit auch so, dass vielerlei Schülerinnen im Laufe ihres Bildungswegs gerade vom Ranzen zum Koffer gewechselt sind.

Tatsache ist leider doch, dass es die Aktenkofferträger sind, die Politik machen und die damit die Welt verändern. Im Bundestag muss man schon lange suchen, um einen Schulranzenträger zu finden. Sagen wir mal präzise: Ich habe noch nie einen gesehen. Lindner selbst ist den Aktenkoffern gegenüber nicht abgeneigt.

Doch zurück: Kann schulische Bildung die Welt verändern? Ja, das kann sie, das macht sie – in welche Richtung auch immer. Kann Politik die Welt verändern? Ja, das kann sie und das macht sie – in welche Richtung auch immer. Sie entscheidet zum Beispiel, wie schulische Bildung aussehen soll. Man müsste in dem Zusammenhang jetzt so einiges ausführen, wozu hier leider Zeit und Muße fehlen.

Es kommt immer drauf an, was im Ranzen und was im Aktenkoffer ist. Im schlimmsten Fall resultiert daraus eine überhitzte ranzige Ideologie, deren Durchsetzung fatal ist. In Hitlers Reichenberger Rede von 1938 zeigte er auf, wie Weltveränderung in seiner übelsten Form geht.

„Diese Jugend, die lernt ja nichts anderes als deutsch denken, deutsch handeln, und wenn diese Knaben mit zehn Jahren in unsere Organisation hineinkommen und dort oft zum erstenmal überhaupt eine frische Luft bekommen und fühlen, dann kommen sie vier Jahre später vom Jungvolk in die Hitlerjugend, und dort behalten wir Sie wieder vier Jahre. Und dann geben wir Sie erst recht nicht zurück in die Hände unsrer alten Klassen-und Standeserzeuger, sondern dann nehmen wir Sie sofort in die Partei, in die Arbeitsfront, in die SA oder in die SS, in das NSKK und so weiter. Und wenn sie dort zwei Jahre oder anderthalb Jahre sind und noch nicht ganze Nationalsozialisten geworden sein sollten, dann kommen sie in den Arbeitsdienst und werden dort wieder sechs und sieben Monate geschliffen, alles mit einem Symbol, dem deutschen Spaten. Und was dann nach sechs oder sieben Monaten noch an Klassen- und Standesdünkel da oder da noch vorhanden sein sollte, das übernimmt die Wehrmacht zur weiteren Behandlung auf zwei Jahre, und wenn sie nach zwei, drei oder vier Jahren zurückkehren, dann nehmen wir sie, damit sie auf keinen Fall rückfällig werden, sofort wieder in die SA, SS und so weiter, und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben und sie sind glücklich dabei.

Und wenn mir einer sagt, ja, da werden aber immer noch welche übrig bleiben: Der Nationalsozialismus steht nicht am Ende seiner Tage, sondern erst am Anfang!“ 01)Adolf Hitler, Auszug aus der Rede vor Kreisleitern in Reichenberg am 2.12.1938. Abgedruckt im „Völkischen Beobachter“ vom 4.12.1938.) jQuery("#footnote_plugin_tooltip_3731_01").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_3731_01", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });

Solche Vorstellungen von Weltveränderung durch die Präparation von Schulranzen sind nicht einzigartig. Die meisten, denen Bildung am Herzen liegt, geraten ins Schwimmen, wenn sie bestimmen müssen, was man darunter zu verstehen hat. Präzise weiß man das nur im ganz rechten Parteienspektrum. So als ob es möglich wäre, Bildung per Infusion zu verabreichen. Den Zustand heute beschreibt eher Niklas Luhmann ganz gut:

„Um  auf das ganze Erziehungssystem anwendbar zu sein, mußte der Begriff der Bildung daher von allen Inhalten entleert werden. Er wird seitdem nur noch floskelhaft und vor allem politisch gebraucht.“02)Niklas Luhmann: Das Erziehungssystem der Gesellschaft, Frankfurt/M. 2002, S. 191. jQuery("#footnote_plugin_tooltip_3731_02").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_3731_02", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });

Das erklärt auch das tatsächliche Bildungsziel der FDP, wie man es auf deren Website nachlesen kann.

„Wir wollen, dass Deutschland bis 2030 wieder in allen Bildungsrankings zur Spitze gehört und Maßstäbe setzt.“ 03)Stichwort Bildung, Website der AfD. jQuery("#footnote_plugin_tooltip_3731_03").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_3731_03", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });

Bildung ist nur ein Terminus des vergleichenden Wettbewerbs. Der Schulranzen soll den nächsten Designaward bekommen. Das ist viel zu wenig.

Die Tasche der Kritischen Masse. Foto: Hufner

Unten auf dem Plakat der FDP kann man lesen: „Denken wir neu“. Darüber habe ich nun wirklich selbst ein paar Stunden nachgedacht und komme doch zu keinem Ergebnis. Insgesamt einfach nur zu dem Ergebnis konnte ich mich durchringen, dass da die FDP mit einem Höchstmaß an Relativität arbeitet. Bloß keine Inhalte transportieren, wenn man es genau liest, die aber so aussehen, als wären es welche. Firlefanz.

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01. ↑ Adolf Hitler, Auszug aus der Rede vor Kreisleitern in Reichenberg am 2.12.1938. Abgedruckt im „Völkischen Beobachter“ vom 4.12.1938.) 02. ↑ Niklas Luhmann: Das Erziehungssystem der Gesellschaft, Frankfurt/M. 2002, S. 191. 03. ↑ Stichwort Bildung, Website der AfD. function footnote_expand_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").show(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("-"); } function footnote_collapse_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").hide(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("+"); } function footnote_expand_collapse_reference_container() { if (jQuery("#footnote_references_container").is(":hidden")) { footnote_expand_reference_container(); } else { footnote_collapse_reference_container(); } } function footnote_moveToAnchor(p_str_TargetID) { footnote_expand_reference_container(); var l_obj_Target = jQuery("#" + p_str_TargetID); if(l_obj_Target.length) { jQuery('html, body').animate({ scrollTop: l_obj_Target.offset().top - window.innerHeight/2 }, 1000); } }

Der Beitrag Die deutsche Firlefanzologie [FDP] erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

Eigentlich wollte ich zum Thema AfD nichts schreiben, weil ich die Partei und ihre Tätigkeit für überflüssig halte und in vielen Belangen, vor allem in Personen für rechtsextrem. Das ist es sicher auch, was die Wählerinnen dieser Partei anspricht. Die Abwehr durch die Parteien des demokratischen Spektrums hindurch bestärkt sie nur darin, dass sie es mit einer Partei zu tun haben müssen, die sich für sie einsetzt. Wenn man so stark abgelehnt wird, muss wohl etwas dran sein.

Allerdings handelt es sich dabei so gut wie nie um Inhalte, sondern um Schlagworte, denen man nachläuft. Gerne wird in dem Zusammenhang die Partei auch als Internetpartei gehandelt. Hier agiert und agitiert sie, hier finden sich ihre Fans haufenweise. Aber das stimmt so einfach nicht. Schaut man sich die YouTube-Kanäle von Frauke Petry und Beatrix von Storch beispielsweise an, so sind die Abrufzahlen regelmäßig erstaunlich gering.

Aufrufzahlen fin unter 1000 bis unter 100 sind nicht selten. So richtig Interesse an den Beiträgen scheint da nicht vorhanden zu sein. Kein Wunder, jenseits von Demagogie sind nicht viele Inhalte aufzufinden, für die man so richtig streiten könnte. Und die meisten interessieren sich sowieso nicht für Inhalte sondern für Parolen. Das wäre für eine Partei allerdings wirklich wenig, selbst für die AfD.

Deshalb ist es auch komisch, wenn man auf der Website der AfD deren Positionen zu den Thesen des Wahl-O-Maten liest. Da wäre die Antwort auf die These „Hohe Vermögen sollen besteuert werden“.

NEIN! „Die AfD ist für eine Abschaffung der Erbschaftsteuer als Substanzsteuer und gegen die Reaktivierung der Vermögensteuer. Intakte Familien denken und leben in Generationenzusammenhängen. Die Übergabe von Vermögen auch und gerade in Unternehmen gebundenes ist Privatangelegenheit und darf nicht dem Staatszugriff ausgesetzt werden.”

Schaut man sich die vermutlich der Partei zuneigenden Personen an, handelt es sich meistenteils jedenfalls ohnehin nicht um solche, die annähernd in den Genuss hoher Einkommen oder namhafter Erbschaften kämen. Eher also um jene, die hier also Solidarität mit den recht Reichen zeigen sollen. Kann man machen, aber wissen es die Wählerinnen wirklich?

Oder nehmen wir These 37: In Deutschland soll es ein bedingungsloses Grundeinkommen geben.

NEIN! „Diese seit vielen Jahren immer mal wieder diskutierte Forderung verkennt Grunderkenntnisse menschlichen Verhaltens. Jede menschliche Gesellschaft beruht auf dem Prinzip einer gewissen Selbstverantwortung jedes Individuums, seine Lebensbedürfnisse aus eigener Kraft befriedigen zu können. Diese Eigenverantwortung korrespondiert mit der Selbstachtung des Einzelnen, diese Lebensleistung auch erbringen zu können. Zudem muss von jedem Glied einer menschlichen Gemeinschaft erwartet werden, dass es auch solidarische Leistungen für die Gemeinschaft erbringt. Nur dies macht Gemeinschaften, Gesellschaften und Staaten lebensfähig. Individuen innerhalb einer Gemeinschaft, Bürger eines Staates aus diesem Verantwortungskreislauf herauszunehmen, ist daher ein Akt der Entmenschlichung. Er macht zudem moderne Staatlichkeit ökonomisch unmöglich.”

Außer der Tatsache, dass die Antworten der AfD gerne ein bisschen um die Sache herumgehen, dürfte auch diese Antwort den meisten ihrer Wählerinnen nicht wirklich gefallen. Gesagt wird damit: Eigentlich seid ihr schon selbst Schuld, wenn es Euch mies geht. „Jede menschliche Gesellschaft beruht auf dem Prinzip einer gewissen Selbstverantwortung jedes Individuums, seine Lebensbedürfnisse aus eigener Kraft befriedigen zu können.“ Mehr noch: Es müsse „von jedem Glied einer menschlichen Gemeinschaft erwartet werden, dass es auch solidarische Leistungen für die Gemeinschaft erbringt.“ Hilfe und Heilung für „Abgehängte“ ist eher nicht im Programm der AfD.

FakeNews können dies nicht sein, es sind die offiziellen Antworten der AfD. These 17 ist an vielen Plätzen diskutiert worden mit dem Vorwurf, dass man das doch nicht zu Disposition stellen dürfe.17. Der Völkermord an den europäischen Juden soll weiterhin zentraler Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur sein.

JA! „Selbstverständlich ist und bleibt der Holocaust ein zentraler Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur. Die deutsche Geschichte besteht aber nicht nur aus der Zeit des Nationalsozialismus. Wir wollen, dass auch die positiv identitätsstiftenden Aspekte der deutschen Geschichte von den Anfängen (Otto der Große) bis in die jüngste Vergangenheit (Fall der Mauer) wieder stärker berücksichtigt werden.”

Nach einen entschiedenen Ja – was auch genügend Wählerinnen nicht gefallen dürfte – erkennt man wieder die Taktik, die These unmzubiegen, um auf ein anderes Thema auszuweichen. Nicht zu vergessen: Richard Wagners Tannenhäuser.

Überraschen dürfte auch die Antwort auf These 5. Der Bund soll mehr Mittel für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen.

NEIN! „Die bisherigen Bemühungen von Bund und Ländern zur Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum haben wenig Erfolg gebracht. Der Bund sollte durch die Absenkung von Steuern und Bürgschaften mehr Menschen in die Lage versetzen, Eigentum zu erwerben. Das bringt mehr als ein vom Staat betriebener sozialistischer Wohnungsbau.”

Wer sich jetzt nur schwer eine Wohnung leisten kann, darf sich also Hoffnung darauf machen, dank Absenkung von Steuern und Bürgschaften“ (Wohn)-Eigentum zu erwerben. Auch das werden die AfD-Fans einigermaßen mit Freude lesen. Laut Wähler-Analyse der FAZ passt das nicht zusammen: „Die Angst vor einem Verlust sozialer Sicherheiten und die Konkurrenz um knappe Güter wie Wohnraum dürfte das Wählerpotential der AfD mittlerweile erheblich vergrößert haben.“ [Quelle FAZ]

Ich breche das hier mal ab. Die geneigten potentiellen AfD-Wählerinnen finden die Positionen der AfD im Netz hier.

Man kann sich also wirklich nur wundern, warum die Leute, die für die AfD im Netz herumschreien oder auf der Straße, dieser Partei ihre Stimme geben wollen. Außer aus ganz irrationalen Gründen?

Der Beitrag AfD für ihre Wählerinnen an sich uninteressant erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

Pannenhilfe für das deutsche kulturelle Erbe kommt aus der musikwissenschaftlichen Fraktion der sich so nennenden AfD – einer Partei, die in Deutschland relativ hilflos agiert, wie man so hört.

„Viel Zustimmung erhielt auch Thorsten Weiß, der für die AfD im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. Auch er warnte vor einer Zuwanderung mehrheitlich ungebildeter Menschen aus arabischen und afrikanischen Staaten. Allerdings machte er selbst in seiner Rede aus der Oper „Tannhäuser“ von Richard Wagner die Oper „Tannenhäuser“.“ [Quelle: Merkur.de]

Was heißt macht? Er ist ein Entdecker.

Es muss sich danach um ein Märchen handeln aus dem großen noch nicht gehobenen Erbe der deutschen Geschichte. Richard Wagner hatte seinerzeit einen Kompositionsauftrag von der deutschen Tannenhäusergesellschaft erhalten. Diese hatte mit zahlreichen Widrigkeiten zu kämpfen. Immer häufiger hat man im 19. Jahrhundert dem Bau von Häusern aus Stein den Zuschlag gegeben. Die Tannenhäuserindustrie schien vollkommen am Ende. Wagner beschreibt in seinem Drama den Umbau dieser Industrie durch geniale Marketingtricks. Man suchte und fand das Weihnachtsfest als Möglichkeit den Verkauf von Tannen anzukurbeln. Der Holzmichel, Hauptfigur des Musikdramas, gründete zu diesem Zweck die Firma Tannidas. In jedem Haus sollte zukünftig an Weihnachten mindestens eine Tanne innerhalb der Wohnung stehen. Das gelang zugleich mit einer Diskrediterung der Fichten, denen man den Stempel „d‘ Randfichten“ andichtete. Eine zentrale Rufnummer für einen Tannenservice des ADAC wurde schlussendlich auch noch eingerichtet. der Holzmichel heiratet am Ende die Venus von Milo.

Das ist die wahre Geschichte von „Tannenhäuser – Oder der Memmenkrieg an der Wagenburg.“

Der Weg ist das Ziel. Foto: Hufner

Dass es im Bereich Kulturpolitik und Bildung Nachholbedarf gibt, ist offensichtlich. Schaut man auf die Website der AfD-Fraktion in Berlin findet sich bei den Stellenangeboten die Ausschreibung für einen „Referenten für Bildung/Wissenschaft/Kultur in Vollzeit (m/w)“.  Es ist ein offenes Geheimnis, dass diese Arbeit ohne zahlreiche Überstunden völlig sinnlos sein dürfte.

Der Beitrag Berliner AfD-Populitiker hat neue Oper von Richard Wagner entdeckt erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

Die Initiative Jedem Kind ein Instrument trägt endlich Früchte auch im Bereich der experimentellen neuen Musik. Ein Beleg dafür findet sich im letzten Prospekt der Charles Vögele Switzerland Modefirma.

Extended Techniques. Prospekt Charles Vögele

Hier scheint es sich um die Realisation eines frühen Werks eines ungenannten Komponisten zu handeln, vermutlich aus der Gruppe der sonst abgebildeten Personen.

Das Bild zeigt zugleich die kommunikative Funktion von Musik im alltäglichen Leben.  Eine Einlandung zum gemeinsamen Musizieren am gleichen Instrument. Das rockt.

„Kannst du die Flöte blasen, so lass den Kindern ihre Pfennigpfeifen.“
Sprichwörterlexikon: Flöte. Deutsches Sprichwörter-Lexikon, S. 11421 (vgl. Wander-DSL Bd. 1, S. 1078)

„Wer nicht Flöte blasen kann, muss Zither spielen.“
Sprichwörterlexikon: Flöte. Deutsches Sprichwörter-Lexikon, S. 11422 (vgl. Wander-DSL Bd. 1, S. 1078)

„Wenn Gott der Flöte den Ton nicht gibt, so bleibt sie ewig stumm.“
Sprichwörterlexikon: Gott. Deutsches Sprichwörter-Lexikon, S. 16193. (vgl. Wander-DSL Bd. 2, S. 81)

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Arbeit im Bereich Social Media und Videoproduktion mag manchem als ein lohnendes Ziel erscheinen. Was das mit dem Lohn angeht, ist es das aber keinesfalls. Nicht einmal bei einer renommierten Institution wie dem Österreichischen Rundfunk. Die hatten kürzlich eine Stelle als „Ö1 Projektmanager/in Digitale Kommunikation Schwerpunkt Social Media & Videoproduktion Teilzeit (30 Wochenstunden)“ schnell zu besetzen. Die Anforderungen und die nötige Qualifikation haben es in sich. Die Tätigkeit selbst ist anspruchsvoll. Als Gehalt winken dann wenigstens 1366 € brutto. Da gibt es immerhin Spielraum nach oben, wie einem scheint. Wie groß der Spielraum ist? Er müsste wohl um 200 bis 300 Prozent nach oben gehen. Ist das noch seriös? Ich finde nicht.

Für unsere Abteilung Ö1 Kommunikation suchen wir zum ehestmöglichen Eintritt eine/n kulturaffine/n
Ö1 Projektmanager/in Digitale Kommunikation Schwerpunkt Social Media & Videoproduktion Teilzeit (30 Wochenstunden)

Berufliche Qualifikation

  • Mehrjährige berufliche Erfahrung in den sozialen Medien (v. a. Facebook, Twitter, Instagram, WhatsApp) bzw. im Bereich Digitalmarketing
  • Praktische Erfahrung im Bereich (Online-)Videoproduktion (Konzeption, Produktion, Post-Production)
  • Erfahrung in den Bereichen Kultur, Medien, Marketing oder Kommunikation
  • Hervorragende Kenntnisse im Projektmanagement
  • Technisches Verständnis

Persönliche Anforderungen

  • Ausgeprägtes Kommunikationstalent in Wort und Schrift
  • Leidenschaft für digitale Medien und packende Videos
  • Kreativität, Innovationsgeist
  • Gutes Gespür für Bildsprache & Design
  • Durchsetzungsvermögen, Ausdauer
  • Freude an der Arbeit im Team
  • Hohe Affinität zu Ö1, Kunst und Kultur

Tätigkeit allgemein

  • Social Media Channel Management und Programm-Marketing für Ö1
  • Contentproduktion für Social Media (v.a. Video-Content)
  • Projektmanagement in allen Bereichen der digitalen Kommunikation
  • Betreuung und Weiterentwicklung von Ö1 Newsletter, CRM Ö1 Club etc.
  • Enge Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Ö1 Online-Redaktion

Gehalt:

€ 1.366,- brutto (KV Werbung & Marktkommunikation, VG 3 nach dem 2. Verwendungsgruppenjahr) mit Bereitschaft zur Überzahlung, abhängig von Qualifikation und Berufserfahrung.

Da muss man sich die Haare raufen – BRUTTO. Gut kaschiert mit Verwaltungssprache. Das ist erschreckend.

Nicht anders als bei der Leitung der Musikschule St. Ingbert, wo man eine Musikschulleitung suchte, die dann im Ehrenamt geführt werden sollte. Aufwandsentschädigung: 960 €.

Die Schule hat die Ausschreibung nach zahlreichen Protesten zurückgenommen und einem veritablen kleinen Shitstorm zurückgenommen. Dabei scheint die Aufwandsentschädigung im Vergleich zur Tätigkeit des Social-Media-Menschen bei Ö1 beinahe paradiesisch. Denn angeblich soll die Leitung ja wirklich easy sein: „Hierbei handelt es sich bei weitem nicht um eine Vollzeitbeschäftigung, sondern lediglich um ein Ehrenamt, welches nur ein geringes Stundenkontingent im Monat erfordert.“

Aber so ist das: Auf die Musikschule haut man drauf. Die Ö1-Ausschreibung wird annähernd kommentarlos geteilt.

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Die Gesellschaft zur Verteidigung der Sprache Adornos hat nun endlich zu einer Reaktion auf Arno Lückers Text zu Adorno im Bad Blog Of Musick herablassen können sich. So nicht, Arno.

Arno Lücker in einfacher Sprache.

Mehr ist dazu nicht zu sagen.

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