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ARD und ZDF wollen sich wandeln, müssen sich wandeln … das fordern sie in den Gazetten an vielen Stellen. Ob die FAZ(Z) mit ihrem üblen Staatsfunk-Vorwurf kommt, Springerchef Mathias Döpfner faselt spricht von einer Gefährdung nach nordkoreanischem Muster (oder auch nicht, wie Michael Hanfeld mit ein paar sog. sprachlichen Bernd-Höcke-Sprüngen meint) oder der Spiegel etwas von einer „unheimlichen Macht“ titelt.

Journalismus sei ein „Werkzeug der Freiheit“, der „Scheinwerfer der Aufklärung oder, eine Nummer kleiner, zumindest die Taschenlampe des mündigen Bürgers“. 01)Was Döpfner wirklich gesagt hat. Michael Hanfeld in der FAZ jQuery("#footnote_plugin_tooltip_4834_01").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_4834_01", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });

Und noch kleiner geht’s nicht, oder? Gerade so, als ob es in ARD und ZDF keinen Journalismus gäbe. So trennt man denn die Welten des Journalismus in gebührenfinanziert und privatwirtschaftlich, aber warum? Vielleicht macht ein kurzer Blick in den Zeitungs/Zeitschriften-Journalismus schlau. Da blickt man gerade mal kurz in ein Focus-Magazin und findet:

screenshot-www.focus.de-2017-10-11-12-32-20

Genau, das läuft unter „Kultur“. So wie Focus unter „Journalismus“ läuft, oder? Weiterführende Texte aus dem kulturellen Kontext sehen dann so aus:

screenshot-www.focus.de-2017-10-11-12-33-42

Ja. Wie gut, dass wir Meinungsvielfalt haben. Wenngleich sich die Meinung nicht auf gerade Allzuvieles zu beziehen scheint. Das ist der Focus, aber ja nicht die FAZ. Die FAZ ist nämlich wirklich fairer Journalismus. Vollkommen über den Dingen. Wenn sie halt nur nicht ihre Autoren hätte. Michael Hanfeld zum Beispiel. Dessen Kritik ist fast immer goldrichtig vorhersehbar. Sie ist weniger von Erkenntnis als Betroffenheit gekennzeichnet. So sehr der öffentlich-rechtliche Rundfunk Kritik nötig braucht, so sehr sollte man aber seine Zielscheibe genau so scharf eingrenzen, dass man sein Ziel auch triffen kann und nicht wie mit der argumentativen Schrotflinte kollateral Unersetzbares mittrifft.

Zurück: Die geforderten Wandelungen, die man dem öffentlichrechtlichen Rundfunksystem auferlegen möchte, betreffen sehr viele Punkte. A) der Rundfunkbeitrag soll nicht steigen; B) um das zu gewährleisten muss man rationalisieren (das sagt einem schon der bloße Menschenverstand ökonomischer Entwicklungen – dann hat eine Schokolade eben nur noch 140 gr statt 150); C) das geht am besten durch Fusionen (Erfahrungen dazu gibt es auch hinreichend – leider hat sich der Rundfunk daran auch schon prima selbst beteiligt – siehe Orchesterfusion beim SWR und das entsprechende Dossier in der neuen musikzeitung: SWR-Orchesterfusion) oder es geht dann, wenn einfach in weniger Zeit gleich viel geleistet wird (auch da hat man Erfahrungen, statt Redakteuren können ja auch Computerprogramme senden gestalten und moderieren).

Leider scheint sich die Sache eben dorthin zu entwickeln. Der Wandel geht voran durch schleichenden Qualitätsverlust, durch programmatische Ausdünnung zu leichter Kost hin, zu Automatismen. Damit aber schafft man erst die Möglichkeit, richtig einzukürzen. Wo sich die Programme immer mehr angleichen und dünnflüssiger werden, lassen sie sich auch schnell mixen und zusammenlegen.

Weltumfrage zur ARD/ZDF. Screenshot

Der Meinungskompass der Welt zur Frage von ARD/ZDF-Qualität/Fusion ist natürlich irgendwie durch eine zweidimensionale Darstellung völlig widersinnig und die Nadel schlägt die falsche Richtung ein. Denn die Qualität der Abstimmung findet kaum Beachtung. Die wären eher nach einer überzulegenden Sanduhr zu betrachten. Und da wäre eben der Nordosten von besonderer Bedeutung – oder der Nordwesten. Danach sind ARD und ZDF nämlich gute Sender – und die Leserinnen tendieren eher dazu, sich keine Fusion zu wünschen.

Letztes Problem: Der Begriff des Wandels. Wandel ist nicht immer gut oder schlecht. Es ist immer zuerst einmal nur Wandel. Den Wandel, den sich die FAZler, Spiegler und Döpfner wünschen, wäre vor allem: Haltet Euch aus unserem Geschäft heraus. Manipulieren und informieren dürfen nur wir, weil wir nicht gebührenfinanziert sind und nur abhängig vom Anzeigengeschäft und unseren Abonnenten. Und so gesehen wird eben umgekehrt ein Schuh draus: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss Mut zu seiner Selbstverwirklichung haben. Unabhängigkeit (und da muss man mal auch an die Rundfunkratssystem heran) und korrekten Bedarf ermitteln und auch fordern. Damit zum Beispiel eine Orchesterfusion wie beim SWR nicht durchgeführt werden kann.

Ich empfehle nach wie vor Andreas Kolbs Leitartikel aus der nmz 9/2017. Neuer Rundfunk in der Sackgasse? Die Reform kann keine sein, deren Ziel die Abschaffung dieses wunderbaren Instruments der Kultur sein könnte.

Aber ein bisschen blöde stellen sich die Sender schon an. In der Vergangenheit hat gerade im kulturellen Bereich vieles seinen Wandel schon vollzogen. Leider nicht zum Besten. Die Ignoranz, mit der seinerzeit der NDR auf die Initiative „Das GANZE Werk“ reagierte, wäre ein Beispiel. Wie der MDR sein Kulturprogramm figaroisiert ein weiteres. Der Wellenwegschub von BR-KLASSIK in den DAB+-Orkus das nächste. Schelllackschätzchen beim WDR: weg. Radio Multikulti beim rbb: adieu. So macht man es sich nicht leicht, Freunde zu finden und vergrämt die Freunde insbesondere, die sich für den öffentlichrechtlichen Rundfunk besonders starkt gemacht haben.

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01. ↑ Was Döpfner wirklich gesagt hat. Michael Hanfeld in der FAZ function footnote_expand_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").show(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("-"); } function footnote_collapse_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").hide(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("+"); } function footnote_expand_collapse_reference_container() { if (jQuery("#footnote_references_container").is(":hidden")) { footnote_expand_reference_container(); } else { footnote_collapse_reference_container(); } } function footnote_moveToAnchor(p_str_TargetID) { footnote_expand_reference_container(); var l_obj_Target = jQuery("#" + p_str_TargetID); if(l_obj_Target.length) { jQuery('html, body').animate({ scrollTop: l_obj_Target.offset().top - window.innerHeight/2 }, 1000); } }

Der Beitrag Immer auf die Öffentlichrechtlichen erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

Von vielen bestritten und als falsch oder überflüssig empfunden: Die Unterscheidung von E- und U-Musik, also von Ernst und Unterhaltung. Abrechnungstechnisch für die Urheber nicht unwesentlich, empfindet sie manch einer als lästig, grausam und überholt.

Die eine Ausfassung ist dem Wunsch, die andere der ökonomischen Realität geschuldet. In der Musikästhetik hält man unter Umständen ganz gerne daran fest, neigt dann das eine dem anderen zu und das anderem dem einen. Die größten Probleme zeigen sich da im und beim Jazz. Da weiß man nie so ganz genau, was was ist. Wenn man nicht dazu tanzen kann, ist es E, wenn doch, dann U.

Jetzt hatte ich einmal in der Redaktion des Onlinebereichs der neuen musikzeitung die Chance, das Thema ein für alle male zu erledigen. Und zwar ganz ohne Musik, nur durch zwei Bilder.

Scrennshot nmz.de (5.10.2017)

Links ein Szenenfoto aus einem Musical (Fame – in Kiel), rechts eines aus einem Singspiel von Mozart (Zauberflöte in Erfurt). Da wäre die Position der Geschlechter zueinander einmal schon eine ganz andere. Die Haltung und Spannung der Körper in der Situation ist ebenso eine ganz andere. In dem Singspiel aus dem 18. Jahrhundert etwas plump, patschig. Im Musical kommunikativ, spannend, leicht. Fast schon zu schwebend.

Nicht von ungefähr kommt nämlich ein weiteres Distinktionsmerkmal ins Spiel: Leicht und schwer und: hoch und niedrig (bezeichnenderweise nicht „tief“). Immerhin hatte Adorno noch leichtes Spiel damit, wenn er kategorienschwer schrieb:

„Der Begriff der leichten Musik liegt im Trüben der Selbstverständlichkeit. Daß jedem bekannt sei, was über ihn ergeht, wenn er unbedacht das Radio andreht, scheint von der Besinnung darüber zu befreien, was es ist.“ 01)Band 14: Dissonanzen. Einleitung in die Musiksoziologie: II. Leichte Musik. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 11520 (vgl. GS 14, S. 199) jQuery("#footnote_plugin_tooltip_1692_01").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_1692_01", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });

Doch das führt letztlich in die Irre, Adorno hat das 1932 schon mit etwas höherer Präzision gesehen. In seinem Aufsatz zur „gesellschaftlichen Lage der Musik“ (so einen Text mit dieser Überschrift würde sich heute ja niemand mehr zu schreiben trauen) heißt es etwa:

„Andererseits enthält gerade die ›leichte‹ Musik, von der gegenwärtigen Gesellschaft geduldet, verachtet und benutzt gleich der Prostitution, mit der sie als ›leichtgeschürzt‹ nicht umsonst verglichen wird, Elemente, die wohl Triebbefriedigungen der heutigen Gesellschaft darstellen, deren offiziellen Ansprüchen aber widerstreiten und damit in gewissem Sinne die Gesellschaft transzendieren, der sie dienen.“ 02)Band 18: Musikalische Schriften V: Zur gesellschaftlichen Lage der Musik. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 15531 (vgl. GS 18, S. 733-734) jQuery("#footnote_plugin_tooltip_1692_02").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_1692_02", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });

Das mit dem Transzendieren darf man jetzt mal weniger ätherisch nehmen, denn deftig. Kürzer: In der leichten Musik geht es durchaus auch zur Sache. Und deswegen kann Adorno ziemlich dreist seinen späteren Kritikern in die Parade fahren, wenn er wenige Wort später ergänzt:

„Darum ist die Scheidung leichter und ernster Musik durch jene andere zu ersetzen, die die beiden Hälften der musikalischen Weltkugel gleichermaßen im Zeichen der Entfremdung sieht: Hälften eines Ganzen, das freilich durch deren Addition niemals rekonstruierbar wäre.“ 03)Band 18: Musikalische Schriften V: Zur gesellschaftlichen Lage der Musik. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 15532. (vgl. GS 18, S. 734) jQuery("#footnote_plugin_tooltip_1692_03").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_1692_03", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });

Besser kann man es fast nicht sagen, außer durch die beiden Szenenbilder oben. Um das eine Bild zum anderen verstehen zu können, benötigt man beide. Für sich wären beide Positionen schlechterdings negative Bilder aus zwei Sphären. Die Kombination erst schließt den Witz auf, der nötig ist, um beiden Bildern ihr Recht zu geben.

PS

Anderes Thema:

Und ein anderes:

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01. ↑ Band 14: Dissonanzen. Einleitung in die Musiksoziologie: II. Leichte Musik. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 11520 (vgl. GS 14, S. 199) 02. ↑ Band 18: Musikalische Schriften V: Zur gesellschaftlichen Lage der Musik. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 15531 (vgl. GS 18, S. 733-734) 03. ↑ Band 18: Musikalische Schriften V: Zur gesellschaftlichen Lage der Musik. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 15532. (vgl. GS 18, S. 734) function footnote_expand_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").show(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("-"); } function footnote_collapse_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").hide(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("+"); } function footnote_expand_collapse_reference_container() { if (jQuery("#footnote_references_container").is(":hidden")) { footnote_expand_reference_container(); } else { footnote_collapse_reference_container(); } } function footnote_moveToAnchor(p_str_TargetID) { footnote_expand_reference_container(); var l_obj_Target = jQuery("#" + p_str_TargetID); if(l_obj_Target.length) { jQuery('html, body').animate({ scrollTop: l_obj_Target.offset().top - window.innerHeight/2 }, 1000); } }

Der Beitrag Unterschied von E- und U-Musik erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

Seite einiger Zeit kursiert im Internet eine Unterschriftenliste mit der einige Initiatoren wie der Deutsche Kulturrat, der Deutsche Musikrat und Personen wie Iris Berben den Ältestenrat des Deutschen Bundestags auffordern, den Vorsitz für den Bundestagsausschuss zu Kultur und Medien nicht einem Vertreter oder einer Vertreterin der AfD zu überlassen. Gerade der Kulturausschuss sei ein besonders sensibler Ort, dessen Vorsitz auf keinen Fall in die Hände der AfD fallen dürfe.

„Es darf nicht passieren, dass beim Kampf um Einflusssphären die AfD an einer der sensibelsten, wichtigsten Stellen unseres parlamentarischen Systems ihr nationalistisches Gift in die Debatten injiziert: Der deutschen Kulturpolitik.“ [Quelle: kulturausschuss-schuetzen.de]

Die Aufregung ist groß, der Zuspruch ebenfalls; man traut sich da fast schon nicht, Einspruch zu erheben. Die Liste umfasst mittlerweile fast 13.000 Personen.

Dabei gelingt es den Autoren des Briefes an keiner Stelle, darzulegen, welche konkreten Folgen für die Bundeskulturpolitik daraus erwachsen könnten. Oder welchem Ausschuss die Unterzeichnenden weniger Bedeutung zumessen würden, dessen Vorsitz dann eine/r von der AfD übernehmen könnte. Das ist wenig konstruktiv und erstaunlich armselig. Man kann dem rechten Populismus von rechts nicht mit einem Populismus aus der Mitte (oder links) antworten. In Worten: Es gibt kein einziges Argument seitens der Briefschreiber. Denn der Vorsitzende des Ausschusses legt ja nicht die Richtlinien der Kulturpolitik des Bundes fest.

Mit dem Vorsitz sind folgende Aufgaben verbunden, die in einem Kommentar in der Community des Freitag Benjamin-Immanuel Hoff aufzählt:

  • „(1) Dem Vorsitzenden obliegt die Vorbereitung, Einberufung und Leitung der Ausschusssitzung sowie die Durchführung der Ausschussbeschlüsse.
  • (2) Der Vorsitzende erteilt das Wort in der Reihenfolge der Wortmeldungen unter Berücksichtigung des § 28. Abs. 1 Satz 2.
  • (4) Ist der ordnungsgemäße Ablauf einer Sitzung nicht mehr gewährleistet, kann der Vorsitzende die Sitzung unterbrechen oder im Einvernehmen mit den Fraktionen im Ausschuss beenden.“

Die Angst könnte höchstens doch diese sein, dass ein Ausschussvorsitzender die Ausschussarbeit behindert, lähmt oder boykottiert. Oder dass er/sie als erster Ansprechpartner/in der Öffentlichkeit manipuliert und falsches Zeugnis über die Arbeit des Ausschusses ablegt. Dies ist auch das einzige „Argument“, das man anführen könnte: „dass die AfD durch einen Vorsitz im Kulturausschuss parlamentarischer Ansprechpartner unserer Partner im Ausland für den Bereich Kultur und Medien wird.“ Dann wird man darauf eben reagieren müssen. Aber die Argumente, wie von Motschmann (MdB) angeführt, wirken hilflos. Oder hat man Angst vor allem deswegen, weil man dann nicht mehr so gerne den Vorsitzenden des Ausschusses zu eigenen Veranstaltungen einladen möchte? Statt Siegmund Ehrmann käme dann ja … Marc Jongen? [Ganz sicher kein Vergnügen, dann.]

Aber auch so ist es ja nicht gerade einfach, wie das Abstimmungsverhalten von CDU und AfD in Thüringen zeigt.

CDU stimmt mit AfD gegen Gedenkstätte für NSU-Opfer #Thüringen https://t.co/z5rgslL2bg

— Tilo (@TiloJung) September 29, 2017

Mal ehrlich. Sieht so die wehrhafte Demokratie aus, sie so etwa Kulturpolitik in der Zukunft aus? Bitte an die eigene Nase fassen!

Nun haben wir in Deutschlands Bundesländern einige AfDler in Ausschüssen, auch als Vorsitzende, sitzen. Noch ist mir nicht bekannt geworden, dass sie das besonders gut oder schlecht gemacht hätten. In Hoffs Thüringen hat beispielsweise Stephan Brandner den Vorsitz im „Ausschuss für Migration, Justiz und Verbraucherschutz.“ Sicher könnte man schauen, was da passiert oder was unterlassen wird. Vielleicht kann Benjamin-Immanuel Hoff aushelfen.

In dem kommenden Ausschuss für Kultur und Medien werden auch Vertreter der AfD sitzen und sie werden, wenn sie sich zu dieser Arbeit tatsächlich bequemen, auch das Wort erheben. Hier im Ausschuss selbst wird also die Konfrontation nicht ausbleiben und sie wird auf irgendeine Weise geführt werden müssen.

Hoff ist aber konstruktiv – und genau so würde ich sehen – wenn er sagt:

„Obwohl Kunst, Kultur und Medien also zu gesellschaftlich vulnerablen Bereichen gehören, sind gerade die Angehörigen dieses Sektors traditionell besonders widerständig. Mehr noch, wir sprechen von einzelnen dieser Institutionen stolz als den ‚Sturmgeschützen der Demokratie‘.“

Wenn also Paroli zu erwarten ist, dann gerade in der Ausschussarbeit dieses Ausschusses. Gerade hier könnte man die AfD-Dummheiten enttarnen etc. Noch einmal Hoff, der ja Kultur-, Bundes- und Europaminister sowie Chef der Staatskanzlei in Thüringen ist.

„Statt sich also zu verzwergen und die Verantwortung für die notwendige Alltagsarbeit der kommenden vier Jahre – sich mit der AfD hart auseinanderzusetzen, ihre Losungen und Strategien zu decodieren – an andere Arenen des Bundestages zu verweisen, hätte der Offene Brief lauten müssen: ‚Sollte die AfD den Vorsitz im Ausschuss für Kultur und Medien anstreben, stehen wir bereit. Denn wir zeigen, wie 87% dieser Gesellschaft ticken!‘“

Andererseits birgt dieser Offene Brief zugleich die Gefahr, gar nicht zu wirken. Dann ginge nichtsdestoweniger der Vorsitz an die AfD. Und dann hätte man genau den Quark, dass man sich in die Ecke stellen kann und weinen, wie wenig bedeutsam offenbar dieser Ausschuss sei. Obwohl er für die Unterzeichnenden doch der Wichtigste zu sein scheint.

Gewiss, auch ich würde mir wünschen, die AfD wäre nie in den Bundestag eingezogen und würde jetzt nicht, parlamentarischer Gewohnheit folgend, Ämter besetzen. Aber daran wird wohl eher kein Weg vorbei führen. Aber noch ist ja nichts entschieden. Dafür ist aber allerhand Staub aufgewirbelt worden.

Es wird in der Tat nämlich sehr viel davon abhängen, welche Mitglieder die anderen Parteien in den Ausschuss entsenden. Besser wäre es also die Dinge zu beeinflussen, die man wirklich ändern kann. Also für eine gute Besetzung des Ausschusses zu sorgen.

Deshalb mal ein kurzer Blick auf die Arbeit in der letzten Legislaturperiode: Hier Ausstellungsvergütung

Ausstellungsvergütung abgelehnt

Kultur und Medien/Ausschuss – 21.06.2017 (hib 390/2017)

Berlin: (hib/AW) Die Linksfraktion ist mit ihrer Forderung nach einer Ausstellungsvergütung für bildende Künstler im Kulturausschuss gescheitert. Der Ausschuss lehnte den entsprechenden Antrag (18/12094) mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen gegen das Votum von Linken und Bündnis 90/Die Grünen am Mittwoch ab.

Für die öffentliche Verwertung und Nutzung von Werken sei im Urheberrecht für Künstler aller Sparten mit Ausnahme der bildenden Kunst eine Vergütung vorgesehen, heißt es im Antrag der Linken. Deshalb soll die Bundesregierung einen Gesetzentwurf vorlegen, um eine Vergütung auch für die bildende Kunst zu ermöglichen. Ausgenommen werden soll davon jedoch der professionelle Kunsthandel. Die Ungleichbehandlung der bildenden Kunst müsse endlich beendet werden, hieß es in der Ausschusssitzung aus der Linksfraktion. Dieser Argumentation schlossen sich auch die Grünen an. Über das Problem werde bereits seit mehr als 30 Jahren diskutiert. Bildende Künstler müssten bei Ausstellungen mitunter „noch draufzahlen“, wenn sie beispielsweise die Kosten für den Transport ihrer Werke selbst finanzieren müssen.

Die Unionsfraktion lehnte das Ansinnen hingegen ab. Bildende Künstler würden sich eben durch den Verkauf ihrer Werke finanzieren. Deshalb sei die Zahlung einer Ausstellungsvergütung kontraproduktiv. Es bestehe die Gefahr, dass es dadurch zu weniger Ausstellungen käme, auf denen die Künstler ihre Werke präsentieren können.

Die SPD begrüßte die Zielsetzung des Antrags zwar ausdrücklich und verwies auf praktikable Regelungen in Schweden. Allerdings habe man sich innerhalb der Koalition mit dem Ansinnen nach einer ähnlichen Lösung nicht durchsetzen können.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. SPD begrüßt die Zielsetzung des Antrags zwar ausdrücklich, aber die Koalition mit der CDU lässt nicht zu, dem zuzustimmen. Und da hat man Angst vor dem Vorsitz der AfD? Vielleicht sollte man sich wirklich besser darauf konzentrieren zu beobachten, was die neue Regierung so kulturpolitisch tun wird. Es wird ja alles neu!

Der Beitrag Falsche Angst vor der AfD – Panik im Kulturbereich? erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

Ein Wahlplakat. Ein Wahlplakat hat selten die Aufgabe, Informationen korrekt zu transportieren. Ein Wahlplakat gehört in die Kategorie Werbung. Und wie Satire darf Werbung alles – außer Langweilen. Deshalb geht es um Slogans, die gleich den einen oder die andere treffen. Mauricio Kagel hat das einmal in einem Hörspiel („Guten Morgen!“) verbraten und die Lautstärke entsprechend korrigiert. Wer schreit, hat Recht.

Auch wenn heute fast die ganzen Werbefilmchen auf YouTube mit musikalischen Gesäusel und akustischem Gekräusel unterlegt sind, überdeckt es die Absicht. Musikalische Blindschleichen sind Dauerzustand.

Man kann etwas aber auch so falsch ausdrücken, dass alle meinen, er wäre richtig. So gesehen erst jüngst bei der FDP.

Wahlwerbung der FDP. Foto: Hufner

Was gemeint ist: Eine Investition in die schulische Bildung wird die Welt verändern. Aktenkofferträger jedoch nicht. Zweierlei: Erstens sagt die FDP damit nicht mal gar nichts aus. Wenn Schulranzen die Welt verändern könnten, wäre das dann gut oder eher schlecht. Aber haben Schulranzen jemals die Welt überhaupt verändert. Ist es nicht eher immer schon die Schulranzenindustrie gewesen? Und war es nicht lange Zeit auch so, dass vielerlei Schülerinnen im Laufe ihres Bildungswegs gerade vom Ranzen zum Koffer gewechselt sind.

Tatsache ist leider doch, dass es die Aktenkofferträger sind, die Politik machen und die damit die Welt verändern. Im Bundestag muss man schon lange suchen, um einen Schulranzenträger zu finden. Sagen wir mal präzise: Ich habe noch nie einen gesehen. Lindner selbst ist den Aktenkoffern gegenüber nicht abgeneigt.

Doch zurück: Kann schulische Bildung die Welt verändern? Ja, das kann sie, das macht sie – in welche Richtung auch immer. Kann Politik die Welt verändern? Ja, das kann sie und das macht sie – in welche Richtung auch immer. Sie entscheidet zum Beispiel, wie schulische Bildung aussehen soll. Man müsste in dem Zusammenhang jetzt so einiges ausführen, wozu hier leider Zeit und Muße fehlen.

Es kommt immer drauf an, was im Ranzen und was im Aktenkoffer ist. Im schlimmsten Fall resultiert daraus eine überhitzte ranzige Ideologie, deren Durchsetzung fatal ist. In Hitlers Reichenberger Rede von 1938 zeigte er auf, wie Weltveränderung in seiner übelsten Form geht.

„Diese Jugend, die lernt ja nichts anderes als deutsch denken, deutsch handeln, und wenn diese Knaben mit zehn Jahren in unsere Organisation hineinkommen und dort oft zum erstenmal überhaupt eine frische Luft bekommen und fühlen, dann kommen sie vier Jahre später vom Jungvolk in die Hitlerjugend, und dort behalten wir Sie wieder vier Jahre. Und dann geben wir Sie erst recht nicht zurück in die Hände unsrer alten Klassen-und Standeserzeuger, sondern dann nehmen wir Sie sofort in die Partei, in die Arbeitsfront, in die SA oder in die SS, in das NSKK und so weiter. Und wenn sie dort zwei Jahre oder anderthalb Jahre sind und noch nicht ganze Nationalsozialisten geworden sein sollten, dann kommen sie in den Arbeitsdienst und werden dort wieder sechs und sieben Monate geschliffen, alles mit einem Symbol, dem deutschen Spaten. Und was dann nach sechs oder sieben Monaten noch an Klassen- und Standesdünkel da oder da noch vorhanden sein sollte, das übernimmt die Wehrmacht zur weiteren Behandlung auf zwei Jahre, und wenn sie nach zwei, drei oder vier Jahren zurückkehren, dann nehmen wir sie, damit sie auf keinen Fall rückfällig werden, sofort wieder in die SA, SS und so weiter, und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben und sie sind glücklich dabei.

Und wenn mir einer sagt, ja, da werden aber immer noch welche übrig bleiben: Der Nationalsozialismus steht nicht am Ende seiner Tage, sondern erst am Anfang!“ 01)Adolf Hitler, Auszug aus der Rede vor Kreisleitern in Reichenberg am 2.12.1938. Abgedruckt im „Völkischen Beobachter“ vom 4.12.1938.) jQuery("#footnote_plugin_tooltip_3731_01").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_3731_01", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });

Solche Vorstellungen von Weltveränderung durch die Präparation von Schulranzen sind nicht einzigartig. Die meisten, denen Bildung am Herzen liegt, geraten ins Schwimmen, wenn sie bestimmen müssen, was man darunter zu verstehen hat. Präzise weiß man das nur im ganz rechten Parteienspektrum. So als ob es möglich wäre, Bildung per Infusion zu verabreichen. Den Zustand heute beschreibt eher Niklas Luhmann ganz gut:

„Um  auf das ganze Erziehungssystem anwendbar zu sein, mußte der Begriff der Bildung daher von allen Inhalten entleert werden. Er wird seitdem nur noch floskelhaft und vor allem politisch gebraucht.“02)Niklas Luhmann: Das Erziehungssystem der Gesellschaft, Frankfurt/M. 2002, S. 191. jQuery("#footnote_plugin_tooltip_3731_02").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_3731_02", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });

Das erklärt auch das tatsächliche Bildungsziel der FDP, wie man es auf deren Website nachlesen kann.

„Wir wollen, dass Deutschland bis 2030 wieder in allen Bildungsrankings zur Spitze gehört und Maßstäbe setzt.“ 03)Stichwort Bildung, Website der AfD. jQuery("#footnote_plugin_tooltip_3731_03").tooltip({ tip: "#footnote_plugin_tooltip_text_3731_03", tipClass: "footnote_tooltip", effect: "fade", fadeOutSpeed: 100, predelay: 400, position: "top right", relative: true, offset: [10, 10] });

Bildung ist nur ein Terminus des vergleichenden Wettbewerbs. Der Schulranzen soll den nächsten Designaward bekommen. Das ist viel zu wenig.

Die Tasche der Kritischen Masse. Foto: Hufner

Unten auf dem Plakat der FDP kann man lesen: „Denken wir neu“. Darüber habe ich nun wirklich selbst ein paar Stunden nachgedacht und komme doch zu keinem Ergebnis. Insgesamt einfach nur zu dem Ergebnis konnte ich mich durchringen, dass da die FDP mit einem Höchstmaß an Relativität arbeitet. Bloß keine Inhalte transportieren, wenn man es genau liest, die aber so aussehen, als wären es welche. Firlefanz.

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01. ↑ Adolf Hitler, Auszug aus der Rede vor Kreisleitern in Reichenberg am 2.12.1938. Abgedruckt im „Völkischen Beobachter“ vom 4.12.1938.) 02. ↑ Niklas Luhmann: Das Erziehungssystem der Gesellschaft, Frankfurt/M. 2002, S. 191. 03. ↑ Stichwort Bildung, Website der AfD. function footnote_expand_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").show(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("-"); } function footnote_collapse_reference_container() { jQuery("#footnote_references_container").hide(); jQuery("#footnote_reference_container_collapse_button").text("+"); } function footnote_expand_collapse_reference_container() { if (jQuery("#footnote_references_container").is(":hidden")) { footnote_expand_reference_container(); } else { footnote_collapse_reference_container(); } } function footnote_moveToAnchor(p_str_TargetID) { footnote_expand_reference_container(); var l_obj_Target = jQuery("#" + p_str_TargetID); if(l_obj_Target.length) { jQuery('html, body').animate({ scrollTop: l_obj_Target.offset().top - window.innerHeight/2 }, 1000); } }

Der Beitrag Die deutsche Firlefanzologie [FDP] erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

Eigentlich wollte ich zum Thema AfD nichts schreiben, weil ich die Partei und ihre Tätigkeit für überflüssig halte und in vielen Belangen, vor allem in Personen für rechtsextrem. Das ist es sicher auch, was die Wählerinnen dieser Partei anspricht. Die Abwehr durch die Parteien des demokratischen Spektrums hindurch bestärkt sie nur darin, dass sie es mit einer Partei zu tun haben müssen, die sich für sie einsetzt. Wenn man so stark abgelehnt wird, muss wohl etwas dran sein.

Allerdings handelt es sich dabei so gut wie nie um Inhalte, sondern um Schlagworte, denen man nachläuft. Gerne wird in dem Zusammenhang die Partei auch als Internetpartei gehandelt. Hier agiert und agitiert sie, hier finden sich ihre Fans haufenweise. Aber das stimmt so einfach nicht. Schaut man sich die YouTube-Kanäle von Frauke Petry und Beatrix von Storch beispielsweise an, so sind die Abrufzahlen regelmäßig erstaunlich gering.

Aufrufzahlen fin unter 1000 bis unter 100 sind nicht selten. So richtig Interesse an den Beiträgen scheint da nicht vorhanden zu sein. Kein Wunder, jenseits von Demagogie sind nicht viele Inhalte aufzufinden, für die man so richtig streiten könnte. Und die meisten interessieren sich sowieso nicht für Inhalte sondern für Parolen. Das wäre für eine Partei allerdings wirklich wenig, selbst für die AfD.

Deshalb ist es auch komisch, wenn man auf der Website der AfD deren Positionen zu den Thesen des Wahl-O-Maten liest. Da wäre die Antwort auf die These „Hohe Vermögen sollen besteuert werden“.

NEIN! „Die AfD ist für eine Abschaffung der Erbschaftsteuer als Substanzsteuer und gegen die Reaktivierung der Vermögensteuer. Intakte Familien denken und leben in Generationenzusammenhängen. Die Übergabe von Vermögen auch und gerade in Unternehmen gebundenes ist Privatangelegenheit und darf nicht dem Staatszugriff ausgesetzt werden.”

Schaut man sich die vermutlich der Partei zuneigenden Personen an, handelt es sich meistenteils jedenfalls ohnehin nicht um solche, die annähernd in den Genuss hoher Einkommen oder namhafter Erbschaften kämen. Eher also um jene, die hier also Solidarität mit den recht Reichen zeigen sollen. Kann man machen, aber wissen es die Wählerinnen wirklich?

Oder nehmen wir These 37: In Deutschland soll es ein bedingungsloses Grundeinkommen geben.

NEIN! „Diese seit vielen Jahren immer mal wieder diskutierte Forderung verkennt Grunderkenntnisse menschlichen Verhaltens. Jede menschliche Gesellschaft beruht auf dem Prinzip einer gewissen Selbstverantwortung jedes Individuums, seine Lebensbedürfnisse aus eigener Kraft befriedigen zu können. Diese Eigenverantwortung korrespondiert mit der Selbstachtung des Einzelnen, diese Lebensleistung auch erbringen zu können. Zudem muss von jedem Glied einer menschlichen Gemeinschaft erwartet werden, dass es auch solidarische Leistungen für die Gemeinschaft erbringt. Nur dies macht Gemeinschaften, Gesellschaften und Staaten lebensfähig. Individuen innerhalb einer Gemeinschaft, Bürger eines Staates aus diesem Verantwortungskreislauf herauszunehmen, ist daher ein Akt der Entmenschlichung. Er macht zudem moderne Staatlichkeit ökonomisch unmöglich.”

Außer der Tatsache, dass die Antworten der AfD gerne ein bisschen um die Sache herumgehen, dürfte auch diese Antwort den meisten ihrer Wählerinnen nicht wirklich gefallen. Gesagt wird damit: Eigentlich seid ihr schon selbst Schuld, wenn es Euch mies geht. „Jede menschliche Gesellschaft beruht auf dem Prinzip einer gewissen Selbstverantwortung jedes Individuums, seine Lebensbedürfnisse aus eigener Kraft befriedigen zu können.“ Mehr noch: Es müsse „von jedem Glied einer menschlichen Gemeinschaft erwartet werden, dass es auch solidarische Leistungen für die Gemeinschaft erbringt.“ Hilfe und Heilung für „Abgehängte“ ist eher nicht im Programm der AfD.

FakeNews können dies nicht sein, es sind die offiziellen Antworten der AfD. These 17 ist an vielen Plätzen diskutiert worden mit dem Vorwurf, dass man das doch nicht zu Disposition stellen dürfe.17. Der Völkermord an den europäischen Juden soll weiterhin zentraler Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur sein.

JA! „Selbstverständlich ist und bleibt der Holocaust ein zentraler Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur. Die deutsche Geschichte besteht aber nicht nur aus der Zeit des Nationalsozialismus. Wir wollen, dass auch die positiv identitätsstiftenden Aspekte der deutschen Geschichte von den Anfängen (Otto der Große) bis in die jüngste Vergangenheit (Fall der Mauer) wieder stärker berücksichtigt werden.”

Nach einen entschiedenen Ja – was auch genügend Wählerinnen nicht gefallen dürfte – erkennt man wieder die Taktik, die These unmzubiegen, um auf ein anderes Thema auszuweichen. Nicht zu vergessen: Richard Wagners Tannenhäuser.

Überraschen dürfte auch die Antwort auf These 5. Der Bund soll mehr Mittel für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen.

NEIN! „Die bisherigen Bemühungen von Bund und Ländern zur Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum haben wenig Erfolg gebracht. Der Bund sollte durch die Absenkung von Steuern und Bürgschaften mehr Menschen in die Lage versetzen, Eigentum zu erwerben. Das bringt mehr als ein vom Staat betriebener sozialistischer Wohnungsbau.”

Wer sich jetzt nur schwer eine Wohnung leisten kann, darf sich also Hoffnung darauf machen, dank Absenkung von Steuern und Bürgschaften“ (Wohn)-Eigentum zu erwerben. Auch das werden die AfD-Fans einigermaßen mit Freude lesen. Laut Wähler-Analyse der FAZ passt das nicht zusammen: „Die Angst vor einem Verlust sozialer Sicherheiten und die Konkurrenz um knappe Güter wie Wohnraum dürfte das Wählerpotential der AfD mittlerweile erheblich vergrößert haben.“ [Quelle FAZ]

Ich breche das hier mal ab. Die geneigten potentiellen AfD-Wählerinnen finden die Positionen der AfD im Netz hier.

Man kann sich also wirklich nur wundern, warum die Leute, die für die AfD im Netz herumschreien oder auf der Straße, dieser Partei ihre Stimme geben wollen. Außer aus ganz irrationalen Gründen?

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Pannenhilfe für das deutsche kulturelle Erbe kommt aus der musikwissenschaftlichen Fraktion der sich so nennenden AfD – einer Partei, die in Deutschland relativ hilflos agiert, wie man so hört.

„Viel Zustimmung erhielt auch Thorsten Weiß, der für die AfD im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. Auch er warnte vor einer Zuwanderung mehrheitlich ungebildeter Menschen aus arabischen und afrikanischen Staaten. Allerdings machte er selbst in seiner Rede aus der Oper „Tannhäuser“ von Richard Wagner die Oper „Tannenhäuser“.“ [Quelle: Merkur.de]

Was heißt macht? Er ist ein Entdecker.

Es muss sich danach um ein Märchen handeln aus dem großen noch nicht gehobenen Erbe der deutschen Geschichte. Richard Wagner hatte seinerzeit einen Kompositionsauftrag von der deutschen Tannenhäusergesellschaft erhalten. Diese hatte mit zahlreichen Widrigkeiten zu kämpfen. Immer häufiger hat man im 19. Jahrhundert dem Bau von Häusern aus Stein den Zuschlag gegeben. Die Tannenhäuserindustrie schien vollkommen am Ende. Wagner beschreibt in seinem Drama den Umbau dieser Industrie durch geniale Marketingtricks. Man suchte und fand das Weihnachtsfest als Möglichkeit den Verkauf von Tannen anzukurbeln. Der Holzmichel, Hauptfigur des Musikdramas, gründete zu diesem Zweck die Firma Tannidas. In jedem Haus sollte zukünftig an Weihnachten mindestens eine Tanne innerhalb der Wohnung stehen. Das gelang zugleich mit einer Diskrediterung der Fichten, denen man den Stempel „d‘ Randfichten“ andichtete. Eine zentrale Rufnummer für einen Tannenservice des ADAC wurde schlussendlich auch noch eingerichtet. der Holzmichel heiratet am Ende die Venus von Milo.

Das ist die wahre Geschichte von „Tannenhäuser – Oder der Memmenkrieg an der Wagenburg.“

Der Weg ist das Ziel. Foto: Hufner

Dass es im Bereich Kulturpolitik und Bildung Nachholbedarf gibt, ist offensichtlich. Schaut man auf die Website der AfD-Fraktion in Berlin findet sich bei den Stellenangeboten die Ausschreibung für einen „Referenten für Bildung/Wissenschaft/Kultur in Vollzeit (m/w)“.  Es ist ein offenes Geheimnis, dass diese Arbeit ohne zahlreiche Überstunden völlig sinnlos sein dürfte.

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Die Initiative Jedem Kind ein Instrument trägt endlich Früchte auch im Bereich der experimentellen neuen Musik. Ein Beleg dafür findet sich im letzten Prospekt der Charles Vögele Switzerland Modefirma.

Extended Techniques. Prospekt Charles Vögele

Hier scheint es sich um die Realisation eines frühen Werks eines ungenannten Komponisten zu handeln, vermutlich aus der Gruppe der sonst abgebildeten Personen.

Das Bild zeigt zugleich die kommunikative Funktion von Musik im alltäglichen Leben.  Eine Einlandung zum gemeinsamen Musizieren am gleichen Instrument. Das rockt.

„Kannst du die Flöte blasen, so lass den Kindern ihre Pfennigpfeifen.“
Sprichwörterlexikon: Flöte. Deutsches Sprichwörter-Lexikon, S. 11421 (vgl. Wander-DSL Bd. 1, S. 1078)

„Wer nicht Flöte blasen kann, muss Zither spielen.“
Sprichwörterlexikon: Flöte. Deutsches Sprichwörter-Lexikon, S. 11422 (vgl. Wander-DSL Bd. 1, S. 1078)

„Wenn Gott der Flöte den Ton nicht gibt, so bleibt sie ewig stumm.“
Sprichwörterlexikon: Gott. Deutsches Sprichwörter-Lexikon, S. 16193. (vgl. Wander-DSL Bd. 2, S. 81)

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Arbeit im Bereich Social Media und Videoproduktion mag manchem als ein lohnendes Ziel erscheinen. Was das mit dem Lohn angeht, ist es das aber keinesfalls. Nicht einmal bei einer renommierten Institution wie dem Österreichischen Rundfunk. Die hatten kürzlich eine Stelle als „Ö1 Projektmanager/in Digitale Kommunikation Schwerpunkt Social Media & Videoproduktion Teilzeit (30 Wochenstunden)“ schnell zu besetzen. Die Anforderungen und die nötige Qualifikation haben es in sich. Die Tätigkeit selbst ist anspruchsvoll. Als Gehalt winken dann wenigstens 1366 € brutto. Da gibt es immerhin Spielraum nach oben, wie einem scheint. Wie groß der Spielraum ist? Er müsste wohl um 200 bis 300 Prozent nach oben gehen. Ist das noch seriös? Ich finde nicht.

Für unsere Abteilung Ö1 Kommunikation suchen wir zum ehestmöglichen Eintritt eine/n kulturaffine/n
Ö1 Projektmanager/in Digitale Kommunikation Schwerpunkt Social Media & Videoproduktion Teilzeit (30 Wochenstunden)

Berufliche Qualifikation

  • Mehrjährige berufliche Erfahrung in den sozialen Medien (v. a. Facebook, Twitter, Instagram, WhatsApp) bzw. im Bereich Digitalmarketing
  • Praktische Erfahrung im Bereich (Online-)Videoproduktion (Konzeption, Produktion, Post-Production)
  • Erfahrung in den Bereichen Kultur, Medien, Marketing oder Kommunikation
  • Hervorragende Kenntnisse im Projektmanagement
  • Technisches Verständnis

Persönliche Anforderungen

  • Ausgeprägtes Kommunikationstalent in Wort und Schrift
  • Leidenschaft für digitale Medien und packende Videos
  • Kreativität, Innovationsgeist
  • Gutes Gespür für Bildsprache & Design
  • Durchsetzungsvermögen, Ausdauer
  • Freude an der Arbeit im Team
  • Hohe Affinität zu Ö1, Kunst und Kultur

Tätigkeit allgemein

  • Social Media Channel Management und Programm-Marketing für Ö1
  • Contentproduktion für Social Media (v.a. Video-Content)
  • Projektmanagement in allen Bereichen der digitalen Kommunikation
  • Betreuung und Weiterentwicklung von Ö1 Newsletter, CRM Ö1 Club etc.
  • Enge Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Ö1 Online-Redaktion

Gehalt:

€ 1.366,- brutto (KV Werbung & Marktkommunikation, VG 3 nach dem 2. Verwendungsgruppenjahr) mit Bereitschaft zur Überzahlung, abhängig von Qualifikation und Berufserfahrung.

Da muss man sich die Haare raufen – BRUTTO. Gut kaschiert mit Verwaltungssprache. Das ist erschreckend.

Nicht anders als bei der Leitung der Musikschule St. Ingbert, wo man eine Musikschulleitung suchte, die dann im Ehrenamt geführt werden sollte. Aufwandsentschädigung: 960 €.

Die Schule hat die Ausschreibung nach zahlreichen Protesten zurückgenommen und einem veritablen kleinen Shitstorm zurückgenommen. Dabei scheint die Aufwandsentschädigung im Vergleich zur Tätigkeit des Social-Media-Menschen bei Ö1 beinahe paradiesisch. Denn angeblich soll die Leitung ja wirklich easy sein: „Hierbei handelt es sich bei weitem nicht um eine Vollzeitbeschäftigung, sondern lediglich um ein Ehrenamt, welches nur ein geringes Stundenkontingent im Monat erfordert.“

Aber so ist das: Auf die Musikschule haut man drauf. Die Ö1-Ausschreibung wird annähernd kommentarlos geteilt.

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Die Gesellschaft zur Verteidigung der Sprache Adornos hat nun endlich zu einer Reaktion auf Arno Lückers Text zu Adorno im Bad Blog Of Musick herablassen können sich. So nicht, Arno.

Arno Lücker in einfacher Sprache.

Mehr ist dazu nicht zu sagen.

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Ich habe diese Plane vor einem Hospital gesehen. Eingeladen werden soll zu einem Tag der offenen Tür. Slogan: „Medizin und Menschlichkeit“.

Medizin und Menschlichkeit [Plakat]. Foto: Hufner

Ich habe mich zuerst gefragt, ob man hier den Begriff und die Tätigkeit des Lächelns nicht vielleicht arg weit auslegt. Sagen wir mal so: Ja. Ein bisschen wirkt das schon bedrohlich, diesen „lächelnden“ Menschen gegenüberzustehen, da, so auf der Straße. Zumal ja traditionell die Maßzahl auch nicht ganz falsch liegen dürfte. Ein „Lächeln“ am Tag, wenn man als Patient so einen Fachmann zu Gesicht bekommt – mit einem Lächeln tun allerdings andere Menschen auch so manches, was nicht so dolle ist.

Der Soziologe, Biologe und Philosoph Helmuth Plessner hat sich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts mit dem Phänomen des Lächelns relativ ausführlich auseinandergesetzt. Er fragte nach seinem Wesen und antwortete:

„Was ist sein Wesen? Um beim Eindruck zu bleiben, zweifellos eine Erheiterung und Auflichtung des Gesichts, eine Auflockerung, die freundlichen Anblick und Gelöstheit mit sich bringt. (…) Die leichte Vertiefung der Falten um Augen und Mund bringt mit der Verstärkung des Reliefs, der Lichter und Schatten, eine Verdeutlichung und Verlebendigung der Züge ins Bild, eine größere Wärme und Nähe, welche das nie ganz ruhende Mienenspiel im täglichen Leben nur in seltenen Fällen entbehrt.“ [Helmuth Plessner, Das Lächeln, in: ders.: Ausdruck und menschliche Natur (Gesammelte Schriften VII), Frankfurt/M. 2003, S. 421.]

Vom Weinen und Lachen trennt er es: „Es fehlt im die Explosivität. Es ist lautlos und gedämpft, ein Ausdruck im Diminutiv.“ (ebd, S. 423.)

Ein zweiter Punkt ist aber auch zu beachten: Die Konjunktion von Medizin und Menschlichkeit, damit verbunden die sprachlich ungeschickte Inanspruchnahme des „Das sind wir“. Durch die Konjunktion wird die Trennung der beiden Bereiche leider erst hervorgehoben. Und die Konjunktion verbindet die Dinge auch nicht als ineinanderfallende Begriffe. Wir sind Medizin und wir sind Menschlichkeit. Wir sind Medizin und Menschlichkeit. Wir sind Papst. Wir sind keinesfalls Dr. House!

Die Betrachterinnen der Plane müssen das wohl oder übel glauben. Denn das „Lächeln“ bestätigt das in dieser Form des mimischen Ausdrucks keineswegs.

Plessner hat in seinem Aufsatz über das Lächeln von 1950 geschrieben: „Wird Lächeln Ausdruck, dann drückt es in jeder Form die Menschlichkeit des Menschen aus.“ [ebd, S. 434.] Sofern man mit Plessner da übereinstimmen möchte, war dies möglicherweise die Intention dieser „Werbung“, gleichzeitig wird das im Bild gefrorene Lächeln nicht wirklich lächelnd und so das Versprechen von Menschlichkeit zumindest fragwürdig.

Das Lächeln der Werbung jedenfalls ist auf den Hund gekommen – als Regelung und als Imperativ des „keep smiling“ verwandelt es sich in die Fratze der Menschlichkeit, in den Betrug.

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Barbara Boisits, habilitierte Musikwissenschaftlerin aus Österreich, prägte den Begriff des „allgemein verständlichen Stils“ als Stilbegriff innerhalb der Neuen Musik anlässlich eines Artikels in der „oeml“, dem „grundlegende[n] Nachschlagewerk zu Musik und Musikleben in Österreich“, das „sich an die wissenschaftliche Fachwelt ebenso wie an interessierte Laien“ richtet.

„W. (…) strebte einen allgemein verständlichen Stil an, um so mit seiner Musik auch eine gesellschaftliche Funktion erfüllen zu können.“ Barbara Boisits, Art. „Wimberger, Gerhard‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: 21.7.2017 (http://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_W/Wimberger_Gerhard.xml).

Nötig wird ein allgemein verständlicher Stil, um auch eine gesellschaftliche Funktion zu erfüllen. Das kann man vom allgemein unverständlichen Stil nicht gerade sagen. Dieser verneint daher auch eine gesellschaftliche Funktion zu erfüllen.

Allgemein verständlicher Stil. Foto: Hufner

Beispiele für einen allgemein verständlichen Stil findet man zum Beispiel bei marketing börse: Online-Pressemitteilungen: Der richtige Schreibstil. Wie zum Beispiel bei folgendem Vorschlag:

„Lange zusammengesetzte Wörter wie „Nummernschildbedruckungsmaschine“ sind für die Lesbarkeit im Internet nicht geeignet. Besser sind zerlegte Wörter wie „Bedruckungsmaschine für Nummernschilder“.“

Statt Online-Pressemitteilung besser: „Mitteilung für die Presse (Online)“. Das heißt, wenn mann schon also Wörter wie „Nummernschildbedruckungsmaschine“ verwendet, dann nur dann, wenn man zeigen möchte, wie man sie nicht verwenden sollte.

Man kann mit einem gewissen Recht also sagen, der allgemein verständliche Stil in der Musik ist einer musikalischen Mitteilung für/an die Presse ähnlich. Kein Zufall vielleicht, dass der Komponist W. Heiratspostkantaten in Noten gesetzt hat. Und gar nicht mal unsympathisch.

Das ist beides allgemein verständlicher Stil im besten Sinne und hat auch eine gesellschaftliche Funktion. Vielleicht wäre diese jedoch noch größer, wenn noch allgemein verständlicher geschrieben worden wäre. Ein bisschen schlüpfrig der Chorsatz im Detail dann leider doch.

Ein gutes Beispiel ist auch die folgende Nummer. Die sog. Europahymne.

Total unverständlicher Stil, da muss man sich schon sehr konzentrieren, will man dem musikalischen Vortrag folgen. Man kann die Dinge auch einfach in die richtige Form bringen – und zack – wird ein Schuh draus. Gesellschaftliche Funktion: CHECK.

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Die politische Landschaft hat sich verändert. Man hat einen Linksextremismus entdeckt. Kein Mensch weiß bisher, welche Charakteristika diesen Extremismus auszeichnen könnten, aber man hat seinen Platz ausgemacht. Ein Blick in den Essy „Rechts und Links – Gründe und Bedeutungen einer politischen Unterscheidung“ (Berlin 1994 – Wagenbach) des italienischen Rechtsphilosophen Norberto Bobbio ist da hilfreich (mindestens der Abschnitt Extremisten und Gemäßigte). Er erwähnt die Rezeption „rechter“ Autoren von Seiten den „Linken“ (wie Friedrich Nietzsche, Carl Schmitt oder Martin Heidegger) und sagt dann:

„So erklärt es sich, warum Revolutionäre (der Linken) und Konterrevolutionäre (der Rechten) gewisse Autoren gemeinsam haben können: sie haben sie, nicht weil sie der Rechten bzw. der Linken zuzuordnen sind, sondern weil sie Extremisten der Rechten bzw. der Linken sind, die sich gerade als solche von den Gemäßigten unter den Rechten wie unter den Linken unterscheiden. Wenn es stimmt, daß das Kriterium, nach dem man die Unterscheidung zwischen ‚rechts‘ und ‚links‘ trifft, ein anderes ist als das, nach dem man zwischen Extremisten und Gemäßigten unterscheidet, hat dies zur Folge, daß gegensätzliche Indeologien Berührungs- und Übereinstimmungspunkte an ihren äußersten Rändern finden können …“ (S. 34)

Er zititiert dann den Neofaschisten Solinas, der schrieb:

„Unser Drama heute besteht im Moderatismus. Unser Hauptfeind sind die Gemäßigten. Der Gemäßigte ist von Natur aus demokratisch.“ (S. 35).

Bobbio geht den Fragen in Sachen Tugendlehre und Moral weiter nach. Sieht bei den Extremisten den „Krieger“, bei den Gemäßigten den „Krämer“. Letzterer wird von den Extremisten verachtet.

„Die Gegenüberstellung von Krieger und Krämer führt unweigerlich zur Rechtfertigung, wenn nicht gar zur Verherrlichung der Gewalt: die befreiende, reinigende Gewalt, ‚Hebamme der Geschichte‘, der revolutionären Linken; ‚einzige Hygiene der Welt‘ der reaktionären Rechten – man könnte in endloser Monotonie weiter aufzählen.“ (S. 40)

Das gipfelt, musikgeschichtlich gewendet, darin, dass Willi Reich einmal ein Buch zu Arnold Schönberg schrieb mit dem Titel „Arnold Schönberg: oder der konservative Revolutionär“ (1968). Unselig war dieser Gedanke auch deshalb, weil sich Adolf Hitler im Völkischen Beobachter bereits am 6. Juni 1936 einmal als den „konservativsten Revolutionär der Welt“ (zitiert nach Bobbio, S. 32) bezeichnet hatte.

Anders hat das bekanntlich Hanns Eisler gesehen. 1924 schreibt er:

„Die musikalische Welt muß umlernen und Schönberg nicht mehr als einen Zerstörer und Umstürzler, sondern als Meister betrachten. Heute ist es uns klar: Er schuf sich ein neues Material, um in der Fülle und Geschlossenheit der Klasssiker zu musizieren. Er ist der wahre Konservative: er schuf sich sogar eine Revolution, um Reaktionär sein zu können.“ [Hanns Eisler: Arnold Schönberg, der musikalische Reaktionär]

Radikaler Moderatismus

Das wirft insgesamt ein neues Licht auf die „musikalische Revolution“ Anfang des des letzten Jahrhunderts. Sie ist es vielmehr Ausdruck eines moderaten Stils. Dort kennt die europäische Musiktradition zum Beispiel Tongeschlechter. Links Dur – rechts Moll. Links Palestrina, rechts Hans Zimmer. Tongeschlechtsextremisten wie sie im Notenbuch stehen.

Wahrscheinlich gibt es sogar noch schönere Beispiele. Doch schon diese Auswahl zeigt: Extremismus ist, das wusste schon Franz Müntefering, Mist. Und es zeigt, wie sehr es richtig war, sich auf die musikalische Mitte zu besinnen: Die Atonalität nämlich.

 

Man kann also wirklich mit Fug und Recht behaupten: Die „atonale“ Musik ist alles andere als extremistisch. Sie repräsentiert die bürgerlicher Mitte, die Klasse derjenigen, die ihren Halt gefunden hat.

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Als Musikkritiker hat man es nicht so leicht. Wirklich nicht. Man ist nicht recht beliebt bei den Musikerinnen und Musikern. Ist man gut zu ihnen, freuen sie sich, aber eben auch nur so lang, wie man Zitierfähiges wie „Album des Jahres“ unterbringt. Jede kleine Kritik und sei es in homöopathischer Dosis gilt schon schnell als Verriss. Und man hört die vorwurfsvolle Frage: „Was hast Du eigentlich gegen mich.“ Ein grober Verriss dagegen bedeutet: Man verstehe halt von der Sache nix. Deswegen sei man ja auch nicht Musiker sondern Kritiker.

Deswegen gibt es hier nur Gutes vom Bayerischen Jazzweekend zu berichten. Die Kappellen war alle „on top“. Vorneweg „Max Andrzejewski´s HÜTTE and The Homegrown Organic Gospel Choir“ im Thon-Dittmer-Palais. Kollossal großartigst ihr Auftritt mit einem Programm zum Thema Nährmittelverwertung. Ein All-Star-Choir + Solistin.

Phänomenal ebenso das Lorenz-Kellhuber-Trio am gleichen Platz. Musikalisch das Elysium erreichend. Jede Note ein Volltreffer. Genau so wie beim Trio ELF, dem langjährigen Partner des Jazzweakends. Weltklasse die Tonanlage (PA) auf dem Kohlenmarkt, die jede noch so unspektakuläre Nuance in der Tongebung zum Hörerlebnis werden ließ. Wir vergessen nicht „Shake Stew“ aus Österreich: Voll abgefahren auf der Bühne, ihre Klang- und Improvisationsexplosionen rissen einen von den Stühlen. Da blieb kein Ohr trocken.

Schließlich „Flüstertüte“ aus dem schönen Tübingen, der Jazzcity no.1 in Germany. Perfekte, unfassbar gute Show, exzellenteste Musiker – geradewegs in die Herzen der Zuhörerinnen und Zuhörer, der Zutänzer und Zutänzerinnen gespielt. Einmal quer durch das animationserfreute Publikum. Beste Unterhaltung mit Charme, Witz; stringent, eloquent, herzlich, aufrüttelnd.

Und die Lesung zum Thema Inge Brandenburg mit Anne Czichowsky warm und mitfühlend, einschmeichelnd im Vortrag, ob sprechend oder singend. Da wird jeder Standard zum Unikat.

Muss man mehr sagen? Die Bilder sprechen für sich. (Übrigens lohnt der Blick zur Kollegin Petra Basche, die für die Jazzzeitung und das HuPe-kollektiv ihre sensationellen Eindrücke zur Verfügung gestellt hat.

Es war das beste, ja – ich scheue mich nicht das zu sage, es war das ultimativste Jazzweakend aller Zeiten. Selbst das Wetter spielte mit, wobei es den Begriff der Freiheit freilich mitunter etwas arg strapazierte.

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Immer häufiger hört man in Radio, Fernsehen und natürlich auch im Netz davon, dass irgendwer irgendwas auf einer sozialen Plattform wie Twitter oder Facebook gesagt habe. Politikerinnen müssen da aufpassen, alle müssen da aufpassen. Ein Shitstorm droht allerdings nur denen, die unter dauernder Beobachtung stehen oder wenn diese dann von Leuten gesehen werden, die unter dauernder Beobachtung stehen.

Das meiste verpufft. Das meiste ist ja auch dünne Luft. Da schließe ich mich nicht aus. Aber ich bin schon irritiert, jeden Tag mehr, wie sehr zwei Plattformen eine Öffentlichkeit technisch herstellen können und diese Plattformen dann auch Aufmerksamkeit in den klassischen Medien erhalten.

Aber das ist alles nichts Neues und der Ärger darüber verfliegt in dem Moment, wo diese Plattformen sich als Träger von Informationen erweisen, die dem Geist der Aufklärung im emphatischen Sinne dienen. Obwohl es eine Gnade der Plattformbetreiber ist, ob und wie und wo etwas zum Vorschein kommt oder nicht. Die Benutzerinnen sind eben nicht die Besitzerinnen. Die Sichtbarkeit der Öffentlichkeit delegieren sie an die Gutmütigkeit der Bewusstseinsfabriken der Gegenwart.

Die Straße, die es nicht mehr gibt. Foto: Hufner

Was aber das insgesamt Traurige daran ist, ist, dass daraus insgesamt eine gefühlte Möglichkeit der Bewusstseinsänderung resultiert, die aber keine Basis in der Struktur und Organisation der Gesellschaft hat. Kurz: Das alles bleibt ein blindes Glaskugelspiel, das mit viel Aufwand betrieben wird. Der betriebene Aufwand seinerseits erzeugt das Gefühl, dass damit seine Bedeutung ebenso hoch zu werten ist.

So komisch es vielleicht daher klingen mag, diese Medien sind nicht eine Öffentlichkeit von Massen, sondern sie sind ein Elfenbeinturm der Gesellschaft. Wird einem sofort klar, wenn man sieht, wie gut Menschen damit leben können ohne diese Plattformen zu nutzen und wie wenig ihnen dabei fehlt. Genau wie bei fast allen Medien der Öffentlichkeit: Seien es Zeitung oder Fernsehen.

Und natürlich ist es irgendwie vollkommen absurd, das aufzuschreiben und genau in und mit den Medien zu teilen, deren Bedeutungsmacht bei gleichzeitiger Bedeutungslosigkeit man gerade noch erwähnte.

Der Beitrag Die Vergeblichkeit der Kritik [Bedeutungsmacht und Bedeutungslosigkeit] erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

In der Sonderausgabe der Bild (65) hat sich neben Anne-Sophie Mutter auch die andere Mutter zu Wort melden dürfen oder müssen. Angela M. (Bundeskanzlerin) buchstabiert an dieser Stelle ihr Deutschland von A bis Z. Das wird vor allem die Musikwelt freuen. Denn an drei Stellen geht die Bundeskanzlerin direkt auf die Musikkultur in Deutschland ein.

Der erste Jubel dürfte vom Deutschen Musikrat ausgehen. Zum ABC gehört nämlich auf jeden Fall „Jugend musiziert“.

Das ABC der Deutschen. BILD-Zeitung

Das ist eine wohl unerwartete Ehrung. Die Kanzlerin hat ja schließlich Humor mit Kirchensteuer und Kartoffel. Ich nehme es der Kanzlerin tatsächlich ab, dass „Jugend musiziert“ für sie eine zentrale Bedeutung hat. Genau so wie beim anderen Punkt, der den Deutschen Chorverband freuen wird.

Das ABC der Deutschen. BILD-Zeitung

Chorgesang!  Wie schön. Da sind die Fenster dicht, würde ich mal sagen. Butter aufs Brot. An anderer Stelle kommt noch das Volkslied hinzu, was will das Musikerinnenherz schon mehr.

15 Thesen für die Kanzlerin. Foto: Bundespresseamt/Frosch

Nein, wirklich. In den letzten Wochen haben sich gleich mehrere Autoren oder Vereinigungen mal wieder mit der Frage beschäftigt, was denn Deutsch sei. Leitkultur und Co. zum Beispiel, als der Deutsche Kulturrat seine 15 Thesen zur kulturellen Integration vorgestellt hatte. Man kann sogar sehen, wie Angela M. diese Thesen aus den Händen von Prof. Höppner in Empfang nimmt. Ich habe da noch einmal reingeschaut, von Jugend musiziert oder Butterbrot ist da nichts geschrieben worden.

Während sich also der Deutsche Kulturrat mit anderen Institutionen über mehrere Monate hinweg die Arbeit machte, seine Thesen zu verfassen und dann auch unter die Menschen zu bringen (zur Zeit knapp 670 Unterzeichnerinnen), kommt die Kanzlerin via Bild-Sonderausgabe mit einem Schlag in die Briefkästen von ca. 41 Millionen Haushalten.

Überhaupt sind die 15 Thesen leider ziemlich untergegangen. Der Widerhall in der Presse war recht gering. Dabei war natürlich das Unterfangen schon wirklich komplex. Die Befürchtung, dass sich die Initiatoren auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner nur vereinen würden, bestand durchaus. Das ist nicht passiert. Gleichwohl ist es nicht der große Wurf geworden, den man sich erhoffen musste. Das kann man bedauern, vielleicht aber ist es auch besser so. Die großen Würfe und Entwürfe in Sachen kulturellem Selbstverständnis einer Gesellschaft haben genug Schaden angerichtet. Sie beruhen entweder auf direkter oder indirekter Exklusion. Man sagt was man nicht will und wer nicht zu einem gehört. Das gehört allerdings in einer Demokratie in die Dimension des Rechts und wird auch dort verhandelt. Nicht immer mit schönen Ergebnissen.

Das Kanzlerinnen-ABC ist, so sehr es selbst eingestandenermaßen Mut zur Lücke offenbart, nicht mehr und nicht weniger ein persönliches und deskriptives Beschreibungsfeld.

Klaus Vater kritisiert auf Charta die 15 Thesen als: „Da ist es eher Musik aus der Blockflöte.“ Nun, mag sein. Das Problem ist aber doch eben ein anderes. Will man „Kultur“ irgendwie in den Griff bekommen, muss man scheitern. Die Dinge ändern sich. Die 15 Thesen oder das Kanzlerinnen-ABC hätten in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts sicher anders ausgesehen. Und vierzig Jahre zuvor ebenso. Da wäre statt Jugend musiziert der Wandervogel aufgefahren worden. Das könnte man These für These durchdeklinieren. Die Vermischung von moralischen Normen und ihrem Wandel finden zur gleichen Zeit statt.

Das alltägliche Zusammenleben basiert auf kulturellen Gepflogenheiten. Im täglichen Zusammenleben spielen neben Werten wie Solidarität und Mitmenschlichkeit Umgangsformen und Gebräuche eine wichtige Rolle. Sie erleichtern das Zusammenleben und schaffen Vertrautheit sowie Verbindlichkeit im Miteinander. Umgangsformen, kulturelle Gepflogenheiten und traditionelle Gebräuche sind jedoch nicht starr, sondern unterliegen dem Wandel. Sie müssen sich im gesellschaftlichen Diskurs bewähren oder weiterentwickeln, um ihre Berechtigung zu behalten. (These 2)

Da werden die Werte Solidarität und Mitmenschlichkeit gesetzt, daneben spielen Umgangsformen und Gebräuche eine Rolle. Diese unterliegen dem Wandel und müssen sich bewähren, damit sie berechtigt bleiben. Man trennt die Dinge also auf. Das Essen mit Messer und Gabel, neben dem Essen mit den Händen?

Aber auch Solidarität! Wie darf man den Begriff füllen? Ein Wert ohne Wert, wenn er nicht inhaltlich gefüllt wird. Nehmen wir nur mal die simpelste „Definition“, die die Wikipedia anbietet. Ich halte sie für falsch, übrigens.

Solidarität „drückt ferner den Zusammenhalt zwischen gleichgesinnten oder gleichgestellten Individuen und Gruppen und den Einsatz für gemeinsame Werte aus (vgl. auch Solidaritätsprinzip).“

Gleichgesinnte und Gleichgestellte im Einsatz für gemeinsame Werte? Wie kurzschlüssig – zumal wenn man sie, konfrontiert mit These 2, selbst als Wert auffassen wollte. Da frisst sich der Wert selbst auf.

Nicht besser ist es um die These 7 (Einwanderung und Integration gehören zu unserer Geschichte) bestellt,

„Unser kultureller Reichtum beruht auch auf den Einflüssen Zugewanderter.“

Voraussetzung ist hier längst wieder die Defintion eines „Wir“, die aber doch sonst ausbleibt. Wer „Wir“ sind, wird nicht gesagt. Unsere Geschichte ist eben keine Geschichte des „Wir und die andern“, sondern dieses „Wir“ sind die einen und die anderen, ein Gewürfeltes Zusammen. Es ändert sich in seiner Zusammensetzung laufend.

Nu!

Der Beitrag Das ABC der Kultur – nach Angela M. (Bundeskanzlerin) und die 15 Thesen zur kulturellen Integration erschien zuerst auf musik|kultur|unrat.

© 1998 ff, Dr. Martin Hufner - Rudolf-Breitscheid-Straße 61 - D - 14532 Kleinmachnow

 
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